Esperanto-Online-Hilfe – Seite 2 Inhalt Inhalt ...................................................................................... 2 Einführung ............................................................................. 3 Ziel ..................................................................................... 3 Eine Sprache lernen .......................................................... 3 Vor dem Kurs ......................................................................... 5 Unterrichtsplanung ............................................................... 7 Der Online-Lehrgang ............................................................. 7 Aufbau einer Lerneinheit ....................................................... 9 Der Wortschatz .................................................................... 10 Schwerpunkte ....................................................................... 11 Subjekt und Prädikat ........................................................ 11 Der Akkusativ ................................................................... 11 Das Pronomen si .............................................................. 13 Weitere Reflexivpronomen: ki-Wörter ........................... 14 Die Partizipien ................................................................. 14 Virtuell unterrichten ............................................................ 17 Einführung ....................................................................... 17 Begriffsklärungen ............................................................ 17 Virtueller Esperanto-Kurs ............................................... 20 Vorbereitung .................................................................... 23 Durchführung .................................................................. 24 Nachbereitung ................................................................. 25 Weiteres ........................................................................... 26 Esperanto-Online-Hilfe – Seite 3 Esperanto-Online-Hilfe Einführung Ziel Dieses Dokument beschreibt den Aufbau, den Inhalt und das Ziel der »Esperanto-Online«-Google-Präsentationen und deren Einsatz im Präsenz- und Cloud-gestützten Fernunterricht. Eine Sprache lernen In der fünften Klasse lernte ich meine erste Fremdsprache: Rus- sisch. Unser Lehrer hatte kleine Bilder vorbereitet, auf denen zum Beispiel ein Fenster, ein Tisch oder ein Stuhl zu sehen war. Er zeigte uns solch ein Bild und fragte: »Tschto eto?« (Что это?) Zunächst antwortete er selbst auf die Frage: »Eto okno.« (Это окно.). bezie- hungsweise »Eto stol.« (Это стол.) und »Eto stul.« (Это стул.). Je- der Schüler verstand diese Sätze. »Tschto eto?« bedeutete »Was ist das?«, worauf die Antwort lauten musste: »Das ist ein Fenster, Tisch, Stuhl.« Im Verlauf des Unterrichts stellte er nur noch die Fra- ge und ließ sie von den Schülern beantworten. Diese Unterrichtsme- thode hat mich so beeindruckt, dass ich sie bis heute nicht vergessen habe. (Zur Information: »ist« wird nicht übersetzt beziehungsweise entfällt im Russischen.) Zwei Jahre später kam als zweite Fremdsprache die englische hinzu, und kurz darauf begann ich Interesse für eine weitere Spra- Esperanto-Online-Hilfe – Seite 4 che, deren Namen ich aus dem (westdeutschen) Fernsehen kannte, zu entwickeln: Esperanto. Ich wollte wissen, wie diese Sprache funk- tioniert, die so einfach zu erlernen sein sollte, und ob sie diesen An- spruch erfüllt. Von der Kultur und der Bewegung, den Menschen hinter der Sprache, wusste ich nichts, und, ehrlich gesagt, interes- sierte es mich überhaupt nicht. In der Stadtbibliothek fand ich das Lehrbuch »Wir lernen Es- peranto sprechen« von Ludwig Schödl und begann, die neue Spra- che im Selbststudium zu erlernen. Und siehe da: Auch dieses Lehr- buch begann mit einfachen Sätzen nach dem Muster »Telefono estas aparato.« und »Afriko estas kontinento.« Noch in der gleichen Lek- tion wurden diese Sätze erweitert um die Frage: »Kio estas tio?« und als Antwort: »Tio estas hundo.« Das war wie im Russisch- Unterricht, denn auch »Kio estas tio?« bedeutet »Was ist das?« mit der Antwort »Tio estas hundo.« = »Das ist ein Hund.« Den ersten Schritt in eine neue Sprache konnte man so in einigen Minuten ab- solvieren und erfreut durchatmen: Ein Erfolgserlebnis! Eine ganze Generation von Esperanto-Schülern unternahm mit diesem Lehrbuch ihre ersten Schritte in der Sprache. Ich beschreibe diese Erlebnisse so ausführlich, weil es auch an- dere Methoden gibt, Fremdsprachen und auch Esperanto zu unter- richten bis hin zu der Empfehlung, ganz auf die Grundlagen, ge- meint ist die Grammatik, zu verzichten und so zu lernen, wie ein Kind seine Muttersprache lernt. Bei Esperanto scheitert diese Lern- methode schon daran, dass es kein Land, ja nicht einmal eine Stadt gibt, in der man 24 Stunden am Tag diese Sprache üben und spre- chen kann. Die Teilnahme an einwöchigen Seminaren, die aus- schließlich in der internationalen Sprache im Ausland abgehalten Esperanto-Online-Hilfe – Seite 5 werden, bewirkt allerdings Wunder in Bezug auf den Erwerb sprach- licher Fähigkeiten. Die muttersprachliche Methode ignoriert die Tatsache, dass wir in der Regel mit sechs Jahren eingeschult werden (also nachdem wir schon sechs Jahre lang unsere Muttersprache gelernt haben!) und noch weitere mindestens vier Jahre brauchen, um unsere Mut- tersprache halbwegs zu beherrschen. Und selbst nach zehn Schul- jahren ... Thema beendet. Des Weiteren muss man berücksichtigen, dass die Nationalsprachen unterschiedlich stark durch Vorbilder und staatliche oder schulische Vorgaben reguliert wurden. Und nie- mand beherrscht eine Sprache perfekt , eine solche Behauptung ist Unsinn. Ich halte die »Was ist das? - Das ist...«-Vorgehensweise auf- grund eigener Erfahrungen nach wie vor für empfehlenswert. Auf- grund einheitlicher Unterrichtspläne und den in Schule vermittelten Kenntnissen waren damals (Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre) Begriffe wie Substantiv, Deklination, Verb und Konjugation für mich (selbst-)verständlich. Damit hatte ich beste Voraussetzun- gen für das selbstständige Erlernen von Fremdsprachen. Ein Schüler beherrscht auch nach 2 Jahren Esperanto- Un ter richt noch nicht die Feinheiten der Sprache, das ist nicht nötig und auch nicht möglich. Aber er muss wissen, wo er sie findet, da- mit er sich die notwendigen Kenntnisse aneignen kann. Vor dem Kurs Vor einem Kurs legt man dessen Ziel fest: Der Lehrer muss sich dar- über Gedanken machen, bis zu welchem Grad der Beherrschung man den Kursteilnehmer führen will (Gespräche mit welchem In- Esperanto-Online-Hilfe – Seite 6 halt, schriftliche Kommunikation, Lesefähigkeit von Texten bis zum Beispiel 2000 Wörter, Nutzung von Online- und gedruckten Wörter- büchern). Er muss als Schlussfolgerung daraus wissen, wie er den Erfolg seines Kurses, also den Wissensstand seiner Schüler, feststel- len und beurteilen kann. Zu viele Kurse fangen mit zwanzig Teilneh- mern an und enden ... womit? In meiner Jugend habe ich an einer Reihe unterschiedlicher In- teressengruppen und Arbeitsgemeinschaften teilgenommen. An ei- nigen nur ein oder zwei Mal, an anderen, unter anderem am Espe- ranto-Kurs, über Monate und Jahre. Das hing nicht von einer geän- derten Interessenlage ab, sondern allein von der Person, die die Ge- meinschaft leitete. Ich füge das hier ein, weil es die Bedeutung des Kursleiters beziehungsweise Lehrers für den Erfolg eines Kurses unterstreicht. Das fällt, glaube ich, heutzutage unter den Begriff »Emotional Design«. Natürlich muss der Kursleiter einen Überblick über seine (Hilfs-)mittel haben. Welches Lehrbuch und welche Wörterbücher benutzt er, welche anderen Unterrichtsmittel (Videos, Online-Texte, Material zum Herunterladen) hat er oder kann er für die Vertiefung des Lehrstoffs empfehlen? Gibt es einen Assistenten, der Unterstüt- zung gibt und für den Kursleiter einspringen kann? Der bei Bedarf einen eigenen Kurs initiiert? Zu seinen Ressourcen gehören auch die Zeit, die er für Vor- bereitung, Durchführung und Nachbereitung braucht, und die tech- nische Ausstattung einschließlich der Frage, welche Reserven er bei Ausfall dieser zur Verfügung hat, und ob er über eine Sicherungsko- pie aller Unterlagen verfügt. Esperanto-Online-Hilfe – Seite 7 Unterrichtsplanung Ein deutsches Schuljahr umfasst 35 bis 40 Wochen. Davon gehen ei- nige für den Unterricht »verloren« durch Wiederholungen, Leis- tungstest, Gespräche und Erlebnisberichte, Krankheit, Ausflüge in die Geschichte der Esperanto-Bewegung und anderes, deshalb rech- ne ich mit 30 Unterrichtseinheiten zu 45 Minuten, in denen aktiv unterrichtet wird. Eine Stunde Unterricht pro Woche unter schuli- schen Bedingungen (also abzüglich Feiertage, Ferien, Krankheit) ist freilich selbst für Esperanto zu wenig. Ein Internet-Kurs bietet den Vorteil, dass sich die Schüler eine zweite Unterrichtsstunde nach eigenem Dafürhalten aus zusätzlichen Materialien zusammenstellen können. Der Online-Lehrgang Der Lehrgang »Esperanto Online« besteht aus mehreren Serien von in sich abgeschlossenen Google-Präsentationen. Einfacher als in Videos kann der Schüler das Tempo des Lernens selbst bestimmen, bei einer Folie anhalten, zurückgehen oder Bekanntes überspringen. Ein Online-Kurs stellt besondere Anforderungen sowohl an den Lehrer, der nicht einfach die Präsentationen abspult, sondern Abläufe organisiert und eigenes Material beisteuert, als auch an den Schüler, der das Gelernte selbstständig übt. Es gibt einen Anfänger- und einen Fortgeschrittenenkurs, die im Endausbau jeweils (geplant) 30 Lerneinheiten umfassen sollen, gefolgt von Aufgaben und Übungen sowie abschließend ergänzendes Material und Übersichten. Esperanto-Online-Hilfe – Seite 8 Länge und Verteilung der Lerneinheiten über das Jahr lasse ich außen vor. Der erste Teil entspricht einem Anfängerkurs . Diese Präsen- tationen enthalten in der Fußzeile eine Liste der in der betreffenden Folie verwendeten Vokabeln. Es wird zunächst Grundlagenwissen vermittelt (»Wie funktioniert Esperanto?«), das danach gezielt er- weitert wird (Zahlen, Vor- und Nachsilben, Einführung in die Ver- wendung der Partizipien). Es bleibt in der Verantwortung des Lehrers, ob er zum Beispiel die Präsentation »Das Alphabet« aus dem Übersichten-Block zum Einstieg in seinen Videokurs macht, sie zum Selbststudium emp- fiehlt oder ganz auf sie verzichtet. Die darin enthaltenen Übungen zur Aussprache kann man in Zweier- oder Dreier-Gruppen delegie- ren. Im Block für Fortgeschrittene werden Schwerpunkte ver- tieft, das verstehende Lesen geübt und einfache Texte in beiden Richtungen übersetzt. Dabei müssen die Schüler selbstständig mit einem Wörterbuch (online oder gedruckt) arbeiten, Die Aufgaben und Übungen sollen vor allem im Selbststu- dium der Kontrolle der erworbenen Sprachkenntnisse dienen. Teil- nehmer an einem Präsenz-Kurs können damit ihre Kenntnisse über den Unterricht hinaus erweitern und vertiefen. Das ergänzende Material und die Übersichten des letzten Blocks fassen das Gelernte zusammen und bieten fakultative Lern- einheiten. Die beiden gegenläufigen Wörterlisten für Esperanto und Deutsch enthalten insbesondere Wörter, die einem deutsch-sprachi- gen Schüler bekannt sind und kaum Lernaufwand erfordern. Die Listen wurden didaktisch aufbereitet, was man besonders gut an Esperanto-Online-Hilfe – Seite 9 »esti« beziehungsweise »sein, bin, bist, ist...« sehen kann. Sie de- cken nicht den Wortschatz der Präsentationen ab. Die Esperanto- Liste ist nach Wortwurzeln sortiert, transitive Verben erhielten in der deutschen Übersetzung die Ergänzung »jemanden« oder »et- was«. Aufbau einer Lerneinheit Es kann mehrere Lerneinheiten in einer Präsentation geben. Eine Lerneinheit besteht aus den Schritten »Zeigen – Erläutern – Anwen- den«, wobei die tatsächliche Ausgestaltung von dieser Vorgehens- weise abweichen kann. ● Zeigen , worum es geht. Der Schüler erhält die Möglichkeit, selbst Satzinhalte oder grammatische Zusammenhänge zu verstehen und ein Aha-Moment zu erleben. Dabei darf man den Schüler nicht allein lassen (im Fall des asynchronen Ler- nens ist er das allerdings), sondern gibt ihm bei Bedarf Unter- stützung oder erläutert den Sachverhalt auf einem alternati- ven Weg. In der Lerneinheit »Die ersten Schritte« wird ein Text mit Substantiven (ĉambro, fotelo, tapiŝo) und mit Ver- ben im Präsens (estas, staras, pendas) präsentiert. Da wir grundsätzlich mit ganzen Sätzen arbeiten, ist es nicht mög- lich, zunächst nur beispielsweise Substantive einzuführen. ● Erläutern , warum etwas so ist und wie es geht. Die Schüler lernen als Verallgemeinerung zum Beispiel, dass Substantive eine o-Kennung und Verben in der Gegenwartsform eine as- Kennung tragen. Einige (nicht alle!) Wortarten werden mit solchen Kennungen (-o, -as) »verheiratet«. Esperanto-Online-Hilfe – Seite 10 ● Anwenden in der Praxis. Durch Lesen, Übersetzen und an- dere Übungen werden der Wortschatz und die Wortarten- Kennungen gefestigt und erweitert. Der Wortschatz Um es vorweg zu sagen: Es spielt keine Rolle, welche Wörter wir in einem Kurs vermitteln, es sind immer die falschen beziehungsweise diejenigen, die der Schüler später kaum braucht. Esperanto ist eine Sprache, die sich vor allem über die verhält- nismäßig einfache Grammatik mit wenigen Spezialfällen definiert. Diese muss der Schüler verstehen und anwenden können. Den Wortschatz kann man sich durch Lesen und Hören aneignen und durch Schreiben festigen, wobei man von dem durchdachten Wort- bildungssystem unterstützt wird. Das bedeutet nicht, dass klassisches Auswendiglernen nicht notwendig ist. Das betrifft vor allem Ziffern und Zahlen, Vor- und Nachsilben, Pronomen, Präpositionen, Konjunktionen und die »Ta- bellenwörter«, die ja auch nur Adverbien und Pronomen sind. Eini- ge dieser Wörter kommen in der sprachlichen Praxis selten vor und müssen deshalb über klassiches Auswendiglernen eingeprägt wer- den. Den übrigen Wortschatz lernt man durch ständigen Gebrauch und Wiederholung, und das ist das, was ein Esperanto-Kurs leisten soll. Den konkreten Wortschatz, den ein Esperantist braucht, kann man nicht vorhersehen. Wer im Wesentlichen Bücher liest, muss mehr und vor allem andere Wörter beherrschen als jemand, der einen Kongress besucht oder als politischer Korrespondent tätig sein will. Im Anfänger- und Fortgeschrittenenkurs sollte man auf Esperanto-Online-Hilfe – Seite 11 insgesamt 1500 Wortwurzeln kommen, die aktiv (sprechen) und passiv (lesen) beherrscht werden. Schwerpunkte Als Schwerpunkte betrachte ich die Teile der Grammatik, bei denen selbst erfahrenen Esperantisten und auch mir immer wieder Fehler unterlaufen: den Akkusativ, den Gebrauch von »si« und anderen Re- flexivpronomen sowie die Partizipien. Sie werden im Anfängerkurs sehr allgemein eingeführt und erst im Fortgeschrittenenkurs aus- führlich behandelt. Subjekt und Prädikat Im Anfängerkurs muss spätestens in der zweiten Hälfte immer wie- der trainiert werden, was Subjekt und Prädikat ist. Das Erfassen des Subjekts auch kompliziertem Satzbau ist wesentlich, damit ein Espe- rantist sicher entscheiden kann, wann und wie er die Akkusativ- Markierung zu setzen hat beziehungsweise wann ein Pronomen durch »si« zu ersetzen ist. Der Akkusativ Anfängerkurs : Der Akkusativ ist ein grammatischer Fall. Bevor man auf diese Aussage kommt, muss man freilich erläutern, was Satzteile sind, welche es gibt und wozu sie dienen, und das auf mög- lichst verständlichem Niveau. Wozu braucht man grammatische Fäl- le? Die hier in den Präsentationen benutzte Jäger-Beute-Analogie ist nur eine Möglichkeit. Esperanto-Online-Hilfe – Seite 12 Der Akkusativ kennzeichnet das direkte Objekt (Was ist Sub- jekt, was Objekt?) und wird mit der Kennung -n markiert bei Subs- tantiven, Adjektiven und Pronomen, aber nicht bei dem Artikel la , der immer unverändert bleibt, und ebenso wenig bei Adverbien. Die n-Markierung kennzeichnet außerdem Zeitpunkt, Dauer, Menge, Maß oder eine Bewegung zu einem Ziel beziehungsweise eine Richtung, bei Adverbien nur Letzteres. Das direkte Objekt kann an beliebiger Stelle im Satz stehen, üblicherweise steht es hinter dem Prädikat (SPO-Regel wie im Engli- schen: Subjekt - Prädikat - Objekt). Am Anfang des Satzes steht es oft, wenn es betont werden soll. Fortgeschrittenenkurs : Das direkte Objekt besteht häufig nicht nur aus einem oder zwei Wörtern. Adjektive können vor oder nach dem Bezugswort stehen, und sie können durch ein oder mehre- re Adverbien, Numerale und / oder Pronomen näher bestimmt wer- den (Mi lavis tiujn miajn du pantalonojn tute malpurajn.) Die Schü- ler müssen solche Formulierungen kennen und verstehen, aber als Absolventen eines Fortgeschrittenenkurses noch nicht selbst bilden können. Und: »po« frisst den Akkusativ. Eine mit der Präposition »po« verteilte Menge als direktes Objekt erhält keine n-Markierung. Wir sehen, dass es nicht damit getan ist, einem Schüler die Formel »Der Akkusativ erhält die n-Kennung.« zu vermitteln. Viel- mehr muss der Akkusativ nach seiner Einführung immer wieder ge- übt werden. Esperanto-Online-Hilfe – Seite 13 Das Pronomen si Reflexivpronomen, rückbezügliche Fürwörter, beziehen sich »zu- rück« auf das Subjekt des Satzes. Aber welches Wort oder Wortgrup- pe ist das Subjekt? Satzglieder und speziell das Subjekt wurden be- reits beim Akkusativ behandelt, auf diese Kenntnisse kann man zu- rückgreifen. Bei welcher Art des Subjekts kommt »si« überhaupt in Frage? Wann kann ein Pronomen durch »si« ersetzt werden? Im Anfängerkurs werden die Grundlagen gelegt: In einem Satz wird das Subjekt ermittelt, festgestellt, ob sich das fragliche Pronomen auf das Subjekt bezieht, und dieses gegebenenfalls durch eine Form von »si« ersetzt. Es ist einleuchtend, dass man zuerst das direkte Objekt (und damit auch das Subjekt) behandelt und erst spä- ter das Reflexivpronomen. Beispiel: Ich bin Renate, mein Bruder heißt Klaus, mein Onkel Karl. Wir alle haben Bücher. Wer sucht wessen Buch? ● Mi (Renate) serĉas mian libron. (Renate sucht ihr eigenes Buch.) ● Mi serĉas lian libron. (Renate sucht das Buch von Klaus.) ● Li (Klaus) serĉas mian libron. (Klaus sucht das Buch von Re- nate.) ● Li serĉas lian libron. (Klaus sucht das Buch von Karl.) ● Li serĉas sian libron. (Klaus sucht sein (eigenes) Buch.) Diese Beispiele kann man beliebig variieren. Esperanto-Online-Hilfe – Seite 14 Weitere Reflexivpronomen: ki-Wörter Im Anfängerkurs vermitteln wir lediglich, dass mit den ki-Wör- tern Fragen gebildet werden (dann sind sie Interrogativpronomen). Im Fortgeschrittenenkurs erweitern wir die Arbeit mit ki- Wörtern, indem wir sie als auch in ihrer Rolle als Reflexivpronomen einsetzen: La viro, kiu staras antaŭ la pordo, atendas min. (Der Mann, der vor der Tür steht, wartet auf mich.) Hier ist ein komplexes Beispiel: ● La viro, kiu staris antaŭ la pordo, montris sian identigilon. (Der vor der Tür stehende Mann zeigte seinen ( eigenen) Ausweis.) ● Mi observis viron, kiu staris antaŭ la pordo, kaj montris mian identigilon. (Ich beobachtete einen Mann, der vor der Tür stand, und (ich) zeigte meinen (eigenen) Ausweis.) ● Mi observis viron, kiu staris antaŭ la pordo kaj montris sian identigilon. (Ich beobachtete einen Mann, der vor der Tür stand und seinen (eigenen) Ausweis zeigte.) An den letzten Beispielen sieht man auch sehr deutlich die Bedeu- tung eines Kommas beziehungsweise einer Sprechpause. Die Partizipien Ich betrachte Partizipien im Esperanto (!) nicht als selbstständige Wortart, sondern als das, was sie ganz offensichtlich sind: eine Gruppe von Nachsilben, die Verben in andere Wortarten transfor- Esperanto-Online-Hilfe – Seite 15 mieren. Sie werden im Anfängerkurs kurz vorgestellt: Aktiv- und Passiv-Partizipien in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; als Person mit der Substantiv-Kennung -o (Als Substantiv sind tatsäch- lich alle Partizipien Personen!), Adverbien als selbstständig ablau- fende beziehungsweise parallele Handlung des Subjekts ( Starante antaŭ la pordo, la viro montris sian identigilon.), Adjektive mit der Kennung -a als selbstständig ablaufende Handlung des Bezugsworts (La antaŭ la pordo staranta viro montris sian identigilon.). Ausführlich behandelt werden sie im Fortgeschrittenen- kurs . Ganz deutlich: Es geht nicht darum, ob ein Sachverhalt zu 100% mit der Sprachwissenschaft übereinstimmt, sondern dass die Schüler ihn verstehen. Esperanto-Online-Hilfe – Seite 16 Entwurf eines Posters zur Ankündigung eines Videokurses Esperanto-Online-Hilfe – Seite 17 Virtuell unterrichten Einführung Das Folgende ist kein Erfahrungsbericht, sondern eine Zusammen- fassung verschiedener Quellen und deren mögliche Anwendung auf virtuelle und Präsenz-Esperanto-Kurse. Zu Beginn der Corona-Kri- se, genauer 2020 und 2021, als in vielen Ländern Lehrer und Schü- ler plötzlich und ohne Erfahrungen virtuell arbeiten mussten, er- schienen besonders in den USA viele Bücher, die sich mit Zoom, On- line- beziehungsweise Video-Unterricht und verwandten Themen beschäftigten. Das war eine Welle, die inzwischen wieder abgeebbt ist. Der hier besprochene virtuelle Unterricht mit Google Präsenta- tionen ( Google Slides , glitbildoj) kann zwar in Grenzen für das Selbststudium der Sprache genutzt werden, soll aber in erster Linie der Unterstützung und Vereinheitlichung synchronen Prä- senz-Unterrichts sowie synchroner und asynchroner virtueller Espe- ranto-Lehrgänge dienen. Begriffsklärungen Der Begriff »virtuell« wird hier verstanden im Sinne von »(nur) im Internet vorhanden, dort angeboten oder stattfindend« und auch »als gedankliche Möglichkeit gegeben«. ● Link : https://www.dwds.de/wb/virtuell Esperanto-Online-Hilfe – Seite 18 »Synchrones Lernen« ist die klassische Form des Lernens. Ein Lehrer unterrichtet vor einer Klasse, und dadurch lernen die Schüler den Stoff gleichzeitig. In der Theorie sollen die Schüler die Anwen- dung des Gelernten zu Hause üben, manchmal tun sie das auch in der Praxis. Auch beim virtuellen Unterricht treffen sich Lehrer und Schüler zu einer Live-Sitzung. Beim »asynchronen Lernen« bereitet der Lehrer den Unterrichtsstoff vor und stellt ihn in Form eines Buches, Videos oder Ähnlichem zur Verfügung. Die Schüler eignen sich anhand des vom Lehrer bereitgestellten Materials selbst Wissen an. Sie sollen aktiv werden, nicht nur passive Betrachter sein, sondern sich zeit- versetzt nach eigenem Gutdünken und eigener Zeiteinteilung (und Lust) mit dem Lernen beschäftigen. Die Übungen und Anwendung des Stoffes geschieht im Unter- richt. Stoffvermittlung und Hausaufgaben werden also vertauscht (flipped classroom, umgedrehter Unterricht). Die Überprüfung des Lernvorgangs beziehungsweise Lernziels durch den Lehrer ge- schieht klassisch in einer Live-Sitzung. Als Empfehlung an die Schü- ler geschieht das asynchrone Lernen am Tag vor der Live-Sitzung. Es besteht Ähnlichkeit zum Selbststudium. Persönliche Meinung : Das, was Schule ausmacht, ist die Vermittlung von Wissen von Mensch zu Mensch. Ich halte das asyn- chrone Lernen für jegliche Vermittlung von Grundlagen für unge- eignet. Der Lehrer verliert den Blickkontakt zum Schüler. Lebendi- ger Unterricht bedeutet, diesen Blickkontakt halten zu können. Die unmittelbare Reaktion des Schülers, der schon durch einen Ge- sichtsausdruck deutlich machen kann, dass er etwas nicht oder nur teilweise versteht, ist durch nichts zu ersetzen. Der Lehrer kann »in Esperanto-Online-Hilfe – Seite 19 Echtzeit« darauf reagieren und durch ein anderes Beispiel oder eine andere Herangehensweise an eine Fragestellung den Schüler diese nahebringen. Kleine Anekdote am Rande: Der Professor: »Ich werde mich nicht hier vorne hinstellen und etwas vorlesen. Ich werde auch keine Vorträge halten. Weil: Ich habe meine Vorträge alle schon mal auf Video auf- gezeichnet. Die sind alle online.« (wörtliches Zitat, Quelle: YouTube-Video) Kommentar bei YouTube: Die Schüler sitzen sechs Stunden am Computer, während der Lehrer aus dem Fenster sieht (und dafür bezahlt wird). ● Link zu Umgedrehter Unterricht, Flipped Teaching, Flipped Classroom, Inverted Classroom: https://de.wikipedia.org/wi- ki/Inverted_Classroom Unterricht ist eine Kommunikation zwischen in der Regel sehr unterschiedlichen Partnern. Ich weise oft darauf hin, dass Kommu- nikation nicht darin besteht, dass jemand etwas sagt, sondern darin, dass der Gegenüber den Sprecher versteht. Weitere Hindernisse in der Kommunikation sind Einseitigkeit , weil dem jeweiligen Gegen- über nicht zugehört wird, Missverständnisse , weil Begriffe oder ein ganzes Gespräch unterschiedlich interpretiert werden (Deshalb muss zu Beginn eines Gesprächs oder Textes geklärt werden, was Esperanto-Online-Hilfe – Seite 20 man unter einem jeweiligen Fachbegriff versteht!), und ein Zuviel an Kommunikation, in dem die Kernbotschaften und Hauptaussa- gen untergehen. Zweck der Hausaufgaben ist, das in der Schule, also im syn- chronen Unterricht, Gelernte zu festigen, zu vertiefen und festzustel- len, wer es verstanden hat und wer nicht. Dementsprechend kann im Unterricht nachgebessert werden. Eine Website (retpaĝaro) ist der gesamte Web- oder Internet- auftritt, die Internetpräsenz usw. unter einem Domainnamen. Dazu gehören in der Regel mehrere Webseiten (retpaĝoj) mit der Home- oder Startpage als zentralen Einstiegspunkt. Vor langer Zeit habe ich gelernt, dass die Startseite drei Aussagen enthalten soll: Wer bin ich? Was will ich? Welches sind die letzten Änderungen an der Web- site? Virtueller Esperanto-Kurs Bekanntmachung - Wie erreiche ich potenzielle Kursteil- nehmer? Wahrscheinlich denkt man zuerst an Kanäle im Internet wie X (ehemals Twitter) und Webseiten. Ich auch, aber immer, wenn ich bei EDEKA einkaufen gehe, sehe ich eine große Tafel, auf der örtliche Sport- und Kulturgruppen auf sich aufmerksam ma- chen. Dort ist auch ein Ort, um auf einen virtuellen Esperanto-Kurs zu hinzuweisen. Solche Tafeln erreichen viele Menschen und vor al- lem diejenigen, die nicht bei X oder YouTube gezielt nach Esperanto suchen. Beim Einkaufen oder in der Sparkasse (die hat ein ähnli- ches, kleineres Brett) liest man folglich das Wort Esperanto . »Oh, davon habe ich schon mal gehört. Gibt es das noch?« Ein Plakat für einen virtuellen Kurs kann man (das heißt: der Kursleiter) zentral