ORF.at Foto: APA/Hans Klaus Techt USA, Russland, China Welt wird laut Risikobericht „unsicherer“ Im Schatten des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, der Grönland-Ambitionen der USA und der Versuche globaler Akteure, Europa zu schwächen, hat das Verteidigungsministerium am Montag das „Risikobild 2026“ präsentiert. Im Fokus des Berichts: Russland, China und die USA. „Die Welt wird unsicherer“ und gleichzeitig „imperialistischer und darwinistischer“, sagte Generalsekretär Arnold Kammel im Vorfeld der Präsentation. Die Gefahr eines Atomkrieges sei „sehr, sehr groß“, so Oberst Bernhard Richter. 26.01.2026 12.38 Die Gefahrenanalyse der Ministeriumsabteilung „Verteidigungspolitik und Strategie“ für die kommenden zwölf bis 18 Monate definiert drei dominierende globale Akteure: die USA, China und Russland, die Europa zunehmend als Herausforderung sähen. Russland stehe jedoch selbst vor enormen Herausforderungen: demografische Veränderungen, wirtschaftliche Schwierigkeiten, Abwanderung von Talenten („Brain-Drain“). Die Gefahr, die von Russland ausgehe, sei nicht seine Stärke, sondern seine Schwäche, sagte Richter. Russland habe ein „großes Nuklearpotenzial sowie Stör- und Chaospotenzial“. Die Gefahr eines Atomkrieges „war noch nie so hoch wie seit den Hochzeiten des Kalten Krieges“, so Richter weiter. Als Beispiel nannte Richter die NATO-Übung „Able Archer“ 1983, die beinahe zu einem Atomkrieg geführt hätte. USA, Russland, China: Welt wird laut Risikobericht „unsicherer“ - n... https://orf.at/stories/3418261/ 1 von 4 26.01.2026, 22:35 Neue Ordnung „konfrontativ“ Die Publikation des „Risikobilds“ trägt die Frage „Ende der Ordnung?“ im Titel. Diese Frage beantwortete Generalmajor Ronald Vartok mit den Worten, dass „wir uns verabschieden müssen von der Vorstellung, dass wir uns weiterhin auf eine regelbasierte, liberale, demokratisch ausgerichtete Weltordnung verlassen können“. Die alte Ordnung werde durch eine neue ersetzt. Sie präsentiere sich als eine „konfrontative“. Drei Großmächte mit „imperialistischen Ambitionen“ wollten die Welt untereinander aufteilen: China, die USA und Russland – und die EU sei dabei „außen vor“. Ukraine-Krieg „von zentraler Bedeutung“ Die EU als Ganzes spiele etwa bei Gesprächen zur Beendigung des Ukraine- Krieges und zur Bereitstellung von Sicherheitsgarantien an Kiew keine Rolle. Engagiert seien einzelne europäische Staaten wie Frankreich und Großbritannien. Der Krieg in der Ukraine sei weiterhin „von zentraler Bedeutung“ für Österreich, so Vartok. Er verwies in diesem Zusammenhang auch auf die globalen Auswirkungen. Vartok nannte auch ein Beispiel: Die Kriegserfahrung nordkoreanischer Soldaten in der Ukraine und die Lieferung russischer Waffentechnologie an Pjöngjang werde sich auf das Sicherheitsinteresse Südkoreas auswirken. USA und Russland an schwacher EU interessiert Die USA sähen die EU als Bedrohung, so Vartok weiter. Denn die EU sei der „stärkste Binnenmarkt“. US-Präsident Donald Trump habe klar zum Ausdruck gebracht, dass aus seiner Sicht die EU eine Gefahr für die US-Wirtschaft darstelle, so Vartok weiter. „Deswegen ist es die Ambition der USA, insbesondere natürlich auch Donald Trumps und seiner Berater, die EU in ihrer Kohäsion zu erschüttern, genauso wie es Russland versucht – aus anderen Gründen –, einen Wegfall der Unterstützung für die Ukraine zu generieren.“ Migration „triggern“ Teil „hybrider Kriegsführung“ Eine weitere Gefahr sieht das „Risikobild“ in den Konflikten im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika. So müsse sich Europa auf „zunehmende Migrationsströme im Bereich der irregulären Migration einstellen“, sagte Vartok. Migration zu „triggern“ sei Teil der hybriden Kriegsführung. Vartok betonte in diesem Zusammenhang die große Bedeutung der Entwicklungszusammenarbeit im Nahen Osten und Globalen Süden. Unterstützen könnten Länder wie Österreich auch mit Expertise im Feld der militärischen Beratung, bei der Korruptionsbekämpfung und Einhaltung von USA, Russland, China: Welt wird laut Risikobericht „unsicherer“ - n... https://orf.at/stories/3418261/ 2 von 4 26.01.2026, 22:35 Menschenrechten – also in Bereichen, die Staaten helfen, ihre eigene Resilienz zu erhöhen, so Vartok weiter. Vertrauen in Regierung soll geschwächt werden Manipulationen und ähnliche hybride Maßnahmen, deren Ziel es sei, Vertrauen in die eigene Regierung zu schwächen, würden zunehmen, sagte Vartok. Auch die Zunahme von wirtschaftlichem Protektionismus sieht Vartok negativ. Cyberangriffe, unter denen Österreich bereits „immanent“ stehe, nannte er als weiteres Risiko. Österreichische Behörden seien derzeit noch in der Lage, diese Angriffe abzuwehren. Umfassende Sicherheitsvorsorge und Landesverteidigung würden neu akzentuiert, Vartok verwies auf EU-Initiativen wie das Weißbuch zur Zukunft der europäischen Verteidigung und die EU-Resilienzstrategie. Resilienz stelle „per se eine nationalstaatliche Aufgabe“ dar. Auch Industriestrategie wichtig Der Aufbauplan für das Bundesheer, der ein Volumen von rund 16,8 Milliarden Euro hat, solle dazu dienen, um moderne Streitkräfte für den Anlassfall bereitzustellen, sagte Vartok. Weitere Ableitungen der Risikoanalyse für Österreich könnten in die neue Sicherheitsstrategie einfließen, die im ersten Quartal erwartet wird. Zudem nannte Vartok die österreichische Industriestrategie, die unter anderem zum Ziel hat, die Verteidigungsindustrie zu stärken und Exporte von Rüstungsgütern zu erleichtern. Neutralität als Vorteil Für das Bundesheer leitete Kammel außerdem ab, dass sich Aufgaben teilweise verlagern. So werde es zunehmend schwieriger, Mandate für internationale Einsätze zu bekommen. Ohne diese Rechtsgrundlage könnten sich österreichische Soldaten nicht an Militärmissionen beteiligen. Österreich könne aber gleichzeitig einen entscheidenden Beitrag leisten im Bereich von Beratung und Unterstützung, Training und der Vermittlung von Fähigkeiten, die für die Resilienz anderer Länder entscheidend seien. Hierbei sei die österreichische Neutralität von Vorteil, weil Österreich keine „hidden agenda“ (versteckte Agenda) nachgesagt werden könne, so Kammel. „Die Starken tun, was sie wollen“ „Wir erleben ein gewisses ‚Survival of the fittest‘“, sagte Kammel. „Die Starken tun, was sie wollen, die Schwachen erleiden, was sie müssen. Und das Recht des Stärkeren scheint die Stärke des Rechts letzten Endes auch zu überlagern.“ Österreich sei keine Insel der Seligen und von den internationalen Entwicklungen USA, Russland, China: Welt wird laut Risikobericht „unsicherer“ - n... https://orf.at/stories/3418261/ 3 von 4 26.01.2026, 22:35 nicht ausgenommen. Auch für Europa stelle sich die Frage, wie es sich in diesem globalen Wettbewerb positioniere, um wieder in eine Position der Stärke zu kommen, so Kammel weiter. Es gelte, bei den „europäischen Fähigkeiten weiterzukommen“. Die Debatte über Grönland habe gezeigt, dass „wir bei dem, was unter dem Schlagwort strategische Autonomie der Europäischen Union firmiert, viel stärker ins Tun kommen müssen“. Es gehe um Beschaffungen und Entwicklung von Fähigkeiten. „Wo ist die europäische künstliche Intelligenz, wo ist die europäische Cloud?“ „Gewisser Optimismus“ Gleichzeitig sah Kammel angesichts der neuen Weltordnung keinen Grund zu Panik, sondern im Gegenteil auch Grund für einen „gewissen Optimismus“. „Es gibt noch immer viele Akteure und Regionen, die in einer ähnlichen Situation sind wie wir, die mit dieser globalen Entwicklung auch nicht glücklich sind.“ red, ORF.at/Agenturen Links: „Risikobild 2026“ ( https://verteidigungspolitik.at/risikobild ) Bundesheer ( https://www.bundesheer.at/ ) USA, Russland, China: Welt wird laut Risikobericht „unsicherer“ - n... https://orf.at/stories/3418261/ 4 von 4 26.01.2026, 22:35