Idee und Text: Nikolaus Ringe, NikolausRinge@gmail.com Die Blackbox-Erfahrung Ein äußerst wirkungsvolles Humanexperiment welches zuverlässig und nachhaltig die Wahrnehmung unseres Bewusstseins gestattet und damit den Anbeginn eines neuen Zeitalters bedeutet. Die Blackbox-Erfahrung ist wohl das gewagteste Experiment das am lebenden Menschen überhaupt vorstellbar ist. Dennoch halten sich Chancen und Risiken die Waage. Die einmalige Klarheit und Unmittelbarkeit mit der der Proband mit sich selbst konfrontiert wird sowie das enorme Risiko Schaden dabei zu nehmen. Ein extremes Erlebnis... von äußerster Beklemmung doch überwältigenden Resultaten! In unserer Natur sind die Gegebenheiten für eine Blackbox-Erfahrung nie anzutreffen. Warum ist ihre Idee aber dann dennoch relevant? Zum ersten Mal in seiner Geschichte ist der Mensch mit einer globalen Problematik konfrontiert: Der Klimawandel und die Übervölkerung der Erde gefährden sein Fortbestehen. Probleme die jedoch mit seinem bestehenden Mindset kaum lösbar scheinen. Denn noch immer geschieht bei ihm der größte Teil seiner Denkprozesse unbewusst. Was zur Folge hat dass er sich mit seinen wenigen bewussten Gedanken identifiziert anstatt sie lediglich als brillante Navigationshilfe zu verstehen. Und dank dieser Identifikation mit seinen Gedanken mündet sein Selbstbild zwangsläufig bei der Vorstellung ein abgegrenztes Individuum zu sein. Er erkennt sich also lediglich als die Person die an zeitliche Limits gebunden ist. Denn in seinem Ichgefühl und mit den Grenzen seiner physischen Form erschöpft sich bereits seine ganze Wahrnehmung. Dass über seine individuelle Erfahrung hinaus aber auch eine kosmische Intelligenz in ihm ihren Ausdruck findet bleibt ihm verborgen. Um aber anstatt die Ursache für globale Probleme zu sein hingegen als Lösung zu dienen dafür ist der Mensch mit seinem ichbezogenen Denken höchstwahrscheinlich einfach zu klein. Denn weil er sich so isoliert wahrnimmt ist ihm natürlich eine Perspektive über seine eigene Lebensspanne hinaus schlichtweg unattraktiv. Bei genauerem Hinsehen erhärtet sich deshalb der Verdacht dass das Aussterben des Homo Sapiens nur noch durch seine Bewusstwerdung verhindert werden könnte. Dass aber ausgerechnet die so extrem erscheinenden Möglichkeiten einer Blackbox-Erfahrung dazu im Stande sein sollten - wird im Folgenden erläutert. Was ist eigentlich unser Denkprozess und existieren wir auch ohne ihn? Und wie entsteht dabei unsere Angst? In der Blackbox erlischt bei absoluter Dunkelheit und schalltoter Akustik schlagartig jegliche Orientierungshilfe der Umgebung. Unser Gehirn merkt diesen folgenschweren Verlust unmittelbar daran dass plötzlich trotz geöffneter Augen keine Anhaltspunkte mehr da sind. Auch beim Hörsinn! Da Geräusche plötzlich nicht mehr von Gegenständen reflektiert werden steigern ihre nun unreflektierten Schallwellen unsere Verunsicherung noch mehr. Die zwei Haupt-Kommunikations- kanäle, das Hören und Sehen sind von einem Moment auf den andern abgeschaltet. Geräusche wirken isoliert und zu sehen gibt's überhaupt nichts mehr. Ohne seh- und hörbare Welt nur noch körpereigene Vitalfunktionen wie Herzschlag und Atmung. Denn ohne Wahrnehmung von Bewegung stirbt auch die Vorstellung von Raum und Zeit. Doch noch ein andrer Verlust wird deutlich: Erinnerungen schwinden jetzt rasch dahin und es ist nicht möglich sie wieder wach zu rufen. Denn wie ein Kartenhaus fällt mit Versagen des räumlichen Denkens auch unweigerlich unser Gedächtnis in sich zusammen. Bereits nach wenigen Sekundenbruchteilen ereignet sich eine Vielzahl fataler Ausfälle. Ohne Erinnerung an Namen und Orte sind wir hilflos einer kaum vorstellbaren Situation ausgeliefert. Denn sobald sich die Blackbox schließt erfolgt ein fundamentaler Bewusstseinswandel. Etwas gänzlich Unerwartbares geschieht! Es wird nun umso deutlicher was übrig 1 bleibt: Soeben noch unbewusst in ständigem Abgleich mit der Außenwelt wird uns jetzt plötzlich der Denkprozess bewusst. Er wird zur alleinigen Wahrnehmung. Ein Perspektivwechsel mit geradezu schockierender Klarheit! Denn nun sehen wir nicht einzelne Gedanken sondern der Denkprozess selber wird jetzt ohne irgendwelche Inhalte wahrnehmbar. Vor seiner steten Bemühung aus Wahrnehmung Objekte zu machen wird nun der Vorhang gehoben sodass er allein und entblößt auf unserer Bühne erscheint. Nur ohne Daten also quasi im Leerlauf können wir unseren Denkprozess jetzt zum ersten Mal sehen. Aber was für ein Anblick! Bei aussichtslosen Versuchen noch irgendeine Außenwelt zu erschaffen scheitert er kläglich und schon übernehmen Instinkte das Feld! Komm' ich hier jemals wieder raus? Hemmungslos überflutet der Lebensinstinkt die Vernunft und reißt damit jäh den Abgrund einer grausamen Grenzerfahrung auf: Mit Panik und maximal psychischen Schmerzen droht uns der Wahnsinn! Die zweifellos extremen wie auch einzigartigen Erfahrungen in der Blackbox lassen sich in zwei Phasen unterteilen: Der Denkprozess als alleinige Wahrnehmung sowie das Phänomen Panik. Zunächst kurz zur Panik: Wie muss man einem Panik auslösenden Gedanken begegnen? Wir befinden uns an der Grenze zwischen rationalem Denken, noch ganz nach Regeln der Logik, und dem niederen Reich tierischer Instinkte. Es ist dabei wichtig zu verstehen dass unser Urinstinkt noch ganz nach tierischem Muster auf Zwangskonfrontation ebenso mit Zwang reagiert. Das hätte in der Blackbox allerdings wenig Erfolgsaussichten! Wenn man also beim Versuch nicht in Panik zu geraten auf die Dringlichkeit der Situation ebenfalls mit Dringlichkeit reagierte, so wird, da die Ursache ja weiterhin besteht, gemäß seiner Konstruktion der primitive Reaktionsmechanismus auf den auftretenden Druck nur mit Gegendruck reagieren und sich deshalb nur weiter verstärken. Sich gegen einen Schutzreflex mit dem bloßen Umkehrimpuls quasi zu wehren ist folglich sinnlos. Deutlich effektiver ist Folgendes: Da der Panikinstinkt ja erst nach erfolgter Wirkung wieder nachlassen darf muss zunächst eine Wirkung erfolgen. Die Auswahl an Wirkungen ist allerdings gross da das zu bewirkende Ergebnis des Instinktes nur relativ grob definiert ist. Und tatsächlich! Es ist möglich die Panik mit einer anderen Wirkung zu beruhigen. Für den Erfolg ist nur genügend Intensität nötig. Der Instinkt reagiert nur auf Intensität aber für die Beschaffenheit seiner Wirkung ist er blind. Es ist also mit ausreichend Intensität immer möglich die Vehemenz einer Panik herunterzufahren und ihre Energie sogar für andere Prozesse nutzbar zu machen. Anstatt durch Passivität dem primitiven Wirkmuster des Instinktes sämtliche Ressourcen zu überlassen, und eine komplette Vereinnahmung zu riskieren, muss auf ihn einfach mit ausreichend Intensität reagiert werden. Panik will Intensität bewirken! Deshalb schenken wir unserer Panik jetzt das Intensivste was wir besitzen nämlich unsere vollste Aufmerksamkeit. Sicher hilft auch mit den Gliedmaßen zu strampeln - um den Adrenalinpegel zu senken... Ohne Aufmerksamkeit bliebe der Effekt jedoch nur von kurzer Dauer. Nur mit andauernder und intensiver Aufmerksamkeit ist es möglich den panik-erzeugenden Gedanken in ein höheres Wirkprinzip umzuleiten. Panik basiert immer auf dem Denken dass etwas auf keinen Fall so sein darf wie es ist. Was wir als gegeben wahrnehmen widerspricht massivst unseren Erwartungen. Die übermäßige Angst dabei ist ein Relikt aus evolutionärer Frühzeit welches als ehemaliges Erfolgsrezept in unserer Psyche tief verankert wurde. Es bringt unseren Körper zu extremen Reaktionen was zur Folge hat dass unser Bewusstsein nur noch aus wenigen abstrakten Aspekten besteht. In unserem Fall sogar nur die eine Zwangsvorstellung sofort aus dieser Box herauskommen zu müssen. Sofern unser Gedächtnis überhaupt noch dazu fähig ist! Gelingt es die Panik als grundsätzlich sinnvolles Element unserer Existenz zu erkennen und sie so zu akzeptieren kommt ihr sofort automatisch zu was sie allein zu beruhigen vermag - nämlich unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Nur durch das vollständige Akzeptieren umfassen wir die Panik mit all ihren Auswirkungen. Die Energie der Panik wird für eine Steigerung der Wahrnehmung nutzbar und hilft auch dabei unsere Perspektive wieder zu lockern damit sie sich wieder ausdehnen kann. Erst durch die Intensität der Wahrnehmung kommen unsere Instinkte wieder zur Ruhe. Denn es wird klar dass nichts wirklich verloren ist. Schwer zu glauben dass bei Erwachsenen oft schon wenige Augenblicke in der Blackbox genügen um Panik auszulösen. Dass Kleinkinder gleich einschlafen leuchtet aber ein. Ein weiteres Indiz dafür dass erlernten Denkgewohnheiten die Grundlage entzogen wird, aber dazu später... 2 Denn nun zum ersten Phänomen der Blackbox, unserem Denkprozess: Wie wir wissen tritt durch Verlust der räumlichen Wahrnehmung unser Denkprozess in den Vordergrund. Es leuchten dabei aber längst nicht nur ein paar oberflächliche Gedanken auf sondern vielmehr wird die gesamte Tiefenstruktur des Prozesses kurzzeitig vollständig erleuchtet. Struktur deshalb, weil der Denkprozess ja jetzt ohne seine Inhalte sichtbar wird. Auf den plötzlichen Mangel an Daten entsteht also eine Art Leerlauf des Denkprozesses was zur Folge hat dass, seiner gewohnten Objekte beraubt, er allein im Bewusstsein übrig bleibt. Ein Anblick der in sprachloses Staunen versetzt denn die Situation ist von grandioser Übersichtlichkeit: Der Denkprozess bar seiner Inhalte einerseits und die Wahrnehmung seines Beobachters des bloßen Bewusstseins andererseits. Ohne sich nämlich mit einem jetzt leeren Denkprozess identifizieren zu können erkennen wir stattdessen dass wir in Wirklichkeit sein Beobachter sind. Unser Bewusstsein nimmt sich selber wahr! Und während sich der Denkprozess in typisch physischer Manier immer mit Inhalten anfüllen möchte bleibt sein Beobachter, das Bewusstsein hingegen stets neutral und eigenschaftslos. Kein Wunder also dass wir ihn bislang noch nicht bemerkt haben! Wir nehmen unseren Körper und sein Denken also nur wahr weil er sich immer in unserem Bewusstsein spiegelt. Ohne Bewusstsein verläuft jede Sensation ins Leere. Wir nehmen sie nicht wahr. Wir identifizieren uns zwar leicht mit den Objekten im Spiegel doch in Wirklichkeit sind wir immer nur der Spiegel selbst. Wir sind weder der gewachsene Körper noch die erscheinenden Gedanken sondern wir sind das was diese Dinge wahrnimmt. Wir sind das Bewusstsein. In der Blackbox geschieht dieser Einblick überzeugend doch auch blitzartig weil ja dummerweise schon der Panikgedanke kommt. Dennoch reicht diese kurze Wahrnehmung des sonst uns ja stets verborgenen Denkprozesses sowie seines Beobachters dafür aus um zu folgender Überzeugung zu gelangen: Wir kommentieren unsere Wahrnehmung pausenlos durch Gedanken. Dabei konstruieren wir unser ganz persönlich-emotionales Psychodrama kontinuierlich aus dem Datenschatz unsrer Erfahrungen. Etwas nicht zu kommentieren gelingt uns nur bei Erlebnissen zu welchen keine passenden Daten existieren. Nur dann können wir eine Erfahrung als neuartig einstufen. Und deshalb sind uns auch nur Vorstellungen möglich welche auf bereits existierenden Daten basieren. Innerhalb dieser eingeschränkten Mentalität sind uns weder gänzlich neue Perspektiven noch ein ungeschminktes Realitätserleben möglich, denn unaufhörlich werden Ereignisse unbewusst mit Erfahrungswerten der Erinnerung vermischt. Wir sehen unsere Welt also immer durch die Brille der Subjektivität Anmerkungen zum Schluss: Wie leistungsfähig unser persönlicher Supercomputer bei seiner realitätsbildenden Tätigkeit ist kann zweifellos verblüffen. Um Reaktionen zu ermöglichen wird das Erleben ohne Verzögerung einsortiert. Gleichzeitig erhebt sich aber die Frage wie sinnvoll es eigentlich ist die eigene Wahrnehmung unbewusst und dazu noch pausenlos zu kommentieren. Wir erhalten dadurch zwar den Eindruck etwas zu wissen doch in Wirklichkeit sind es immer nur weitere Feststellungen. Denn jeder noch so intelligente Kommentar ist doch nur wieder ein neuer Kompromiss, ein Vorurteil also und stimmt mit der tatsächlichen Wahrnehmung nie vollständig überein. Dass es sich aber um eine Angewohnheit handelt ist jetzt jedenfalls sicher. Nur wie nahtlos diese Angewohnheit des pausenlosen Kommentierens mit unserer Wahrnehmung verknüpft ist wird wohl nur jenem klar der auch den ernsthaften Versuch unternimmt aus diesem selbst geschaffenen Gefängnis auszubrechen. Die 15.000 Jahre alte Tradition der indischen Yogakultur ist sicher eines der bekanntesten Beispiele dafür. Inwiefern wohl dann ein solcher Yogi in einer Blackbox vor Panik sicher wäre? Für unsere jüngsten Erdenbürger besteht dort jedenfalls keine Gefahr. Die Blackbox-Erfahrung findet übrigens nur bei penibelster Einhaltung ihrer Voraussetzungen statt. Es muss absolut schalltot und dunkel sein. Denn solange unser Gehirn auch nur den geringsten Schimmer einer optischen Wahrnehmung aufzeichnen kann geschieht stattdessen etwas völlig Anderes: Anstatt der so phänomenalen Schau der Wirklichkeit würde dann unser Vorstellungs- vermögen geradezu aufblühen und in wilder Virtuosität die abenteuerlichsten Fantasiegebilde zusammenreimen. Auch ist es erstrebenswert mit möglichst wenig Erwartung in die Box zu kommen. Je weniger der Proband auf etwas gefasst ist desto intensiver kann es geschehen. Für eine absolute Sicht der Dinge müssen wohl auch absolute Gegebenheiten bestehen! 3 Da bei jeder psychischen Grenzerfahrung das Set and Setting, also die persönliche Verfassung und Umgebung, von entscheidender Bedeutung ist so kann auch die Blackbox unter Zwang und Drogeneinfluss schnell zum Foltergerät werden. Doch weil das Thema Angst bekanntermaßen immer die Gemüter erhitzt sei angemerkt dass es keineswegs darum geht das Fürchten zu lehren. Nur weil Panik Gefahr bedeutet musste sie hier notgedrungen Erwähnung finden. Bei geringsten Panikanzeichen muss das Experiment also sofort abgebrochen werden. Schließlich geschieht das eigentlich grandiose Phänomen ja noch vor der Panik. Wie jedes andere hoch effektive Werkzeug so kann auch die Blackbox bei unsachgemäßer Verwendung also leicht Schaden anrichten. Bei sinngemäßem Einsatz jedoch kann sie uns etwas zurückgeben was längst in Vergessenheit geraten ist: Das Bewusstsein für unsere Unschuld und für die Einheit allen Lebens. In der Stille absoluter Finsternis, ohne die Welt, nehmen wir uns als dennoch existent wahr. Und für einen kurzen Augenblick wird sogar sichtbar was wir in Wirklichkeit sind: Das reine Bewusstsein! Die Blackbox hat also ein geradezu gigantisches Potential: Sie macht uns auf einprägsamste und unmissverständlichste Weise unseren Denkprozess und dessen Beobachter bewusst. Nämlich unser Bewusstsein - uns selbst. Und diese neue Perspektive der Wahrnehmung besitzt zweifellos die Kraft uns als Menschheit in ein neues Zeitalter zu katapultieren: Der bewusste Mensch. Und wer weiß? Vielleicht trifft man in Zukunft unsere Blackbox schon in jeder Schule an! Wenn wir nämlich zu verstehen beginnen dass wir nicht mit unserem Denken sondern nur mit unserer Wahrnehmung eine echte Chance auf Zukunft haben, dass erst in unserem Bewusstsein die wahre Menschlichkeit besteht. 4