Sagners Slavistische Sammlung ∙ Band 20 (eBook - Digi20-Retro) Verlag Otto Sagner München ∙ Berlin ∙ Washington D .C. Digitalisiert im Rahmen der Kooperation mit dem DFG- Projekt „Digi20“ der Bayerischen Staatsbibliothek, München. OCR-Bearbeitung und Erstellung des eBooks durch den Verlag Otto Sagner: http://verlag.kubon-sagner.de © bei Verlag Otto Sagner. Eine Verwertung oder Weitergabe der Texte und Abbildungen, insbesondere durch Vervielfältigung, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Verlages unzulässig. «Verlag Otto Sagner» ist ein Imprint der Kubon & Sagner GmbH. Петр А. Гильтебрандт Справочный и объяснительный словарь к псалтири Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access S A G N E R S S L A V I S T I C H E S A M M L U N G herausgegeben von PETER REHDER Band 20 P. A. Gil’tebrandt Erläuterndes Handwörterbuch zum Psalter VERLAG OTTO SAGNER München 1993 Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access Петр Андреевич Гильтебрандг 00056837 СПРАВОЧНЫЙ И ОБЪЯСНИТЕЛЬНЫЙ СЛОВАРЬ К ПСАЛТИРИ Nachdruck der Ausgabe St. Petersburg 1898 mit einer Einleitung von Helmut Keipert VERLAG OTTO SAGNER München 1993 Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access ISBN 3-87690-553-2 © by Verlag Otto Sagner, München 1993 Abteilung der Firma Kubon & Sagner, München Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access 00056837 EINLEITUNG Seit dem Beginn der neunziger Jahre ist auch in Rußland selbst wieder ein breiteres Interesse am Modernen Russisch-Kirchenslavi- sehen festzustellen, nachdem in den Jahrzehnten zuvor die ohnehin nur bescheiden zu nennende Forschung auf diesem Gebiet der slavi- sehen Sprachwissenschaft vor allem von nichtrussischen Gelehrten getragen worden is t1. Der sich je tz t ungehindert artikulierende Wunsch, die Bibel und die anderen Texte des ״Cerkovnyj krug“ auf kirchenslavisch lesen zu können, findet sichtbaren Ausdruck z. B. in der Tatsache, daß die 1964 in Jordanville, N.Y. veröffentlichte K ir- chenslavisch-Grammatik des Ieromonach A lip ij (Gamanovič) 1991 in Moskau nachgedruckt worden is t2. Noch auffälliger als dieses einzelne Buch w irkt vielleicht, daß ganz verschiedene Zeitschriften, die früher den Problemen des Kirchenslavischen wenig Aufmerksam- keit geschenkt haben, nun m it ganzen Artikelserien elementare Kenntnisse über diese Sprache, das von ihr getragene Schrifttum und dessen Bedeutung für die Entwicklung der russischen K ultur zu verm itteln suchen. So publiziert die vom In stitu t slavjanovedenija i balkanistiki der Rossijskaja Akadēmija nauk herausgegebene Z e it- schrift ״Slavjanovedenie“ nach ihrer Umbenennung aus ״Sovetskoe slavjanovedenie“ eine Folge von Lektionen über das Kirchenslavi- sehe, die von Akademiemitglied N. I. Tolstoj eingeleitet worden ist, in den bisher erschienenen Teilen Beiträge von O. A. Sedakova, A. G. Kraveckij und A. A. Pletneva enthält und dem erklärten Zweck dient, чтобы любой читатель журнала мог получить сведения по грамматике и словарному составу церковнославянского, умел разбирать тексты. Без начатков знаний в этой области не обойтись никому, кто стремится к постижению Ветхого и Нового Заветов .3 Auch die Z eitschrift ״Literaturnaja učeba“ kommt seit 1991 m it einem regelmäßig angefügten ״Kurs cerkovnoslavjanskogo jazyka“ offensichtlich einem Bedürfnis vieler ihrer Leserinnen und Leser nach4; gleichfalls 1991 hat ״Russkaja reč’“ m it dem Abdruck 1 Vgl. die Übersicht bei J. Plähn: Das״ moderne russische K irchensla- visch als ling uistische r Gegenstand“ , Z e its c h rift fü r slavische P hilologie 38. 1975. S. 90-110. 2 lerom. A lip ij (Gamanovič): Grammatika cerkovno-slayjanskogo jazyka. Moskva 1991. 3 Slavjanovedenie 1992, 2. S. 127; vgl. 1992, 3. S. 72-90; 4. S. 105-127; 5. S. 95-111. 4 Literatum aja učeba 1991, 1. S. 182-188; 2. S. 177-186; 3. S. 172-183; 4. S. 163-171; 5. S. 155-164; 6 . S. 162-173; 1992. 1-3. S. 181-190. Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access einer Serie ־Ob״ bjasnenie Simvola very, m olitv i zapovedej“ begon- nen5. Wenn neben dem 1988-1989 im gleichen Verlag nachge- druckten ״Spravočnyj i ־ob bjasnitel’nyj slovar’ к Novomu Zavetu“ von Petr G il’tebrandt (S.־ Peterburg 1882-1885) nun auch dessen ״Spravočnyj i ־ob bjasniteFnyj slovar’ к P saltiri“ (S.-Peterburg 1898) erneut vorgelegt wird, dann entspricht das zwar durchaus der ur- sprünglichen Absicht, aber in einer Zeit der Wiederentdeckung der Religion im russischen Geistesleben erhalten diese Bücher heute eine besondere, unerwartete A ktualität. Über die Geschichte der kirchenslavischen Bibelkonkordanzen ist in der Einleitung zum 1. Band des Münchener Nachdrucks des ״Spravočnyj i ־ob bjasnitel’nyj slovar’ к Novomu Zavetu“ berichtet worden, und ebenda findet man auch knappe Hinweise zur Biogra- phie von Petr G il’tebrandt (1840-1905), die hier nicht wiederholt werden müssen. Vielmehr soll im folgenden m it der gebotenen Kür- ze auf einige Besonderheiten der Psalter-Konkordanz eingegangen werden, die 1988 nur beiläufig zu erwähnen waren. Bemerkenswert ist zunächst das Faktum, daß G il’tebrandt über- haupt einen eigenen Band für den W ortschatz des Psalters veröf- fe n tlich t, also nicht parallel zu seiner Konkordanz zum Neuen Testament ein Wörterbuch für das gesamte A lte Testament ge- schaffen hat. Allerdings muß er eine solche Gesamterfassung ge- plant haben, denn schon in seinem Vorwort von 1882 berichtet er davon, daß er m it 76.000 Karteikarten bereits fast ein V iertel des Textes des Alten Testaments verzeichnet habe6. Um welche Bü- eher es sich dabei handelte, bleibt ungesagt, aber da es in seinem Vorwort von 1898 wie selbstverständlich heißt, daß der Verfasser eines Wörterbuchs zum Alten Testament zuallererst den Psalter zu bearbeiten habe, dürfte dieses Buch wohl schon zu Beginn der achtziger Jahre verzettelt gewesen sein. W ie w eit die Verzeich- nungsarbeit über den 1882 m itgeteilten Stand hinaus fortgesetzt worden ist, wird 1898 nicht mehr erwähnt, und unbekannt ist auch, wo sich die evtl. erhaltene Kartothek heute befindet. G il’tebrandts Psalter-Konkordanz sollte man allerdings nicht als bloße Verlegen- heitslösung ansehen (etwa in dem Sinne, daß er wenigstens einen T eil seines gesammelten M aterials zum Druck bringen w ollte, als die eigentlich beabsichtigte Gesamterfassung seine K räfte zu übersteigen drohte). Unter den spezifischen Bedingungen der sia- visch-orthodoxen Kultur Rußlands war - und ist - auch ein W ö rte r- Verzeichnis allein für den Psalter sinnvoll, und man kann sogar sagen, daß G il’tebrandt sich m it ihm in eine regelrechte Tradition einfügt. Schon im altrussischen Schrifttum hat die Erklärung gerade 5 Russkaja reč’ 1991, 2. S. 93-114; 3. S. 99-112; 4. S. 97-117; 5. S. 94-108; 6 S. 98-107; 1992. 1. S. 73-90; 2. S. 80-91; 3. S. 84-93; 4. S. 89-105; 5. S. 85-91. 6 Spravoönyj נ o b ija s n ite l’nyj slovar׳ к Novomu Zavetu 1. S.-Peterburg 1882. S. X II. Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access 000Б6837 7 der Psalmen Anlaß zu lexikographischen Bemühungen gegeben7, und die besondere Stellung, die diese Texte damals in Rußland wie überhaupt in der sog. Slavia ortodossa nicht nur unter denen des Alten Testaments, sondern auch gegenüber denen des Neuen inne- gehabt haben, erklärt zudem, weshalb man bei altrussischen Autoren auffällig o ft Zitate aus dem Psalter lie st8. Von intensiver Be- schäftigung m it dem W ortschatz dieses ehrwürdigen Buchs zeugen die seit dem Ende des 17. Jh. von vielen Dichtern versuchten Psalmen-Paraphrasen, unter denen diejenigen von S. Polockij, V. Trediakovskij und A. Sumarokov wegen ihrer Vollständigkeit einen besonderen Platz einnehmen9. N icht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang, daß in Rußland von alters her und teilweise bis ins 19. Jh. hinein das Lesen vor allem auf Grund des Psalter- und Ča- soslov-Textes gelernt wurde10, doch wie selbstverständlich damals auch ohne diese Fähigkeit ganze Psalmen auswendig gekonnt wur- den, belegt die Warnung in I. Posoškovs ״Zaveščanie otečeskoe“ (1719), daß Priesterkandidaten im Lesen nicht m it ״učenye psalmy“ , sondern v״ neuõenych knigach“ geprüft werden müßten11. Die aus der liturgischen Praxis erwachsene relative Eigenständigkeit des Psalters, die ihren konkreten Niederschlag in zahlreichen Einzel- handschriften und -drucken findet, läßt darüber hinaus plausibel er- scheinen, daß die Serie der Konkordanzen des 18. Jh. gerade m it A. Kantemirs ״Simfonija, ili Soglasie na bogoduchnovennuju knigu psal- mov Carja i Proroka Davyda“ beginnt und dieses Lexikon nach der 7 Vgl. L. S. Kovtun: Russkaja le ksiko g rā fijā èpochi srednevekov’ja. Moskva, Leningrad 1963. S. 162-215. 8 Ein W erk w ie das von St. Stanojevic, D. Glumac: Sv. Pismo и našim starim spomenicima. Beograd 1932 scheint fü r das altrussische Schrifttum nich t vorzuliegen. Vielm ehr b le ib t in neueren Textausgaben zur altrussischen L ite ra tu r die E rm ittlung von B ibelzitaten häufig ganz der F indigkeit des Lesers überlassen, und es paßt ins B ild, daß die Redakteure des seit 1988 erscheinenden W örter- buchs des Altrussischen vom 11. bis zum 14. Jahrhundert offenbar w ider besseres Wissen darauf verzichtet haben, die zahlreichen in ihrem M a te ria l enthaltenen B ibelzitate oder -allusionen als solche zu kennzeichnen, vgl. Slovar* drevnerus- skogo jazyka (X I-X IV w .). Glavnyj redaktor R. 1 . Avanesov. T. 1. Moskva 1988. S. 9. In der Hagiographie zeigt sich die besondere B eliebtheit des Psalters z. B. im Stellenverzeichnis des Bandes The Hagiography o f Kievan Rus*. Translated w ith an Introduction by P. H ollingsw orth. Cambridge, Mass. 1992. S. 249-252. 9 Vgl. A. Levitsky: The Sacred Ode in Eighteenth Century Russian L ite - rary Culture. Phil. Diss. U niversity o f M ichigan 1977. Ann Arbor 1979 sowie die je tzt in A n g riff genommene Neuausgabe russischer Psalmenübertragungen im Rahmen der ״B ib lia S lavica“ und davon als ersten Band: V a s ilij K irillo v ič T redia - kovskij. Psalter 1753. Erstausgabe besorgt und kom m entiert von A. Levitsky, her- ausgegeben von R. Olesch und H. Rothe. Paderborn, München 1989. 10 Auch beim Studium des Lateinischen hat der Psalter geholfen, vgl. das am Ende des 15. Jh. in Novgorod angefertigte k y rillis c h e (!) Transkript des V ulga- ta-Textes, das B. L. Fonkič: Grečesko-russkie k u l’tumye syjazi v X V -X V II w . Grečeskie rukopisi v Rossii. Moskva 1977. S. 44 erwähnt. 11 Zaveščanie otečeskoe. Sočinenie I. T. Posoškova. Novoe izdanie, dopol- nennoe vnov’ otkrytoju vtoroju polovinoju ״Zaveščanija". Pod red. E. M. P rile - žaeva. S.־ Peterburg 1893. S. 291. Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access Erstausgabe von 1727 in den Jahren 1821 und 1855 weitgehend un- verändert nachgedruckt w ird12, obwohl man in den zwanziger Jah- ren des 19. Jh. nicht ohne Erfolg an der Ausdehnung der ״Sim fonii“ auf die noch fehlenden Teile des Alten Testaments gearbeitet hat. So gesehen bedarf G il’tebrandts ״Slovar’ к P saltiri“ keiner weiteren Rechtfertigung, auch wenn seine Aussonderung des Psalters nicht den Gepflogenheiten der westeuropäischen Bibel-Lexikographie ent- spricht, die das A lte Testament als Ganzes oder gar nur zusammen m it dem Neuen Testament zu beschreiben gewohnt is t13. W ie G il’tebrandt in seinem Vorwort andeutet, unterscheidet sich der vorliegende ״Slovar’ к P saltiri“ vom ״Slovar’ к Novomu Zavetu“ vor allem dadurch, daß bei jedem kirchenslavischen W ort verm erkt ist, ob sein griechisches Äquivalent im Psalter auch noch anders übertragen worden ist, und daß ein griechisch-slavischer In- dex alle diese evtl. konkurrierenden Wiedergabemöglichkeiten über- sichtlich zusammenfaßt. Bei der Benutzung beider Konkordanzen muß man berücksichti- gen, daß sie vor über hundert Jahren und vor allem als Nachschla- gewerke für Laien konzipiert worden sind - also nicht so sehr für Theologen und Philologen, die sie heute wohl am meisten konsul- tieren. Diesem besonderen Zweck dienen die zahlreichen Sacher- klärungen, die man bei Eigennamen, aber auch bei nicht wenigen Appellativa neben dem in einer bloßen Konkordanz allein zu erwar- tenden Nachweis von Stellen findet. Offenbar um philologisch nicht vorgebildeten Lesern der Hl. S chrift das Auffinden gesuchter Stellen zu erleichtern, hat G il’tebrandt darüber hinaus manche Lemmata anders gestaltet, als w ir das heute tun würden, also z. B. jew eils eigene A rtike l fü r (aspekt-)korrelative In fin itive geschaffen und A k- tiv - wie Passivpartizipien getrennt von den unter dem In fin itiv ab- gelegten finiten Formen des Verbums behandelt. Die Abtrennung der Partizipien kann den V orteil haben, daß einige allzu umfangreiche Verbartikel entlastet werden, aber sie hat zugleich den Nachteil, 12 Svodnyj katalog russkoj kn ig i k irillo v s k o j pečati X V III v. Moskva 1968. S. 486 Nr. 1385. Den H inw eis au f den Nachdruck von 1855 verdanke ich der A u f- merksamkeit von Fr. Thomson. 13 Vgl. Novae concordantiae B ibliorum Sacrorum iu xta vulgatam versio- nem c ritic e editam, quas digessit B. Fischer OSB. 1-5. Stuttgart-Bad Cannstatt 1977; S. M andelkern: Veteris Testam enti Concordantiae hebraicae atque ch a ld a i- cae. 1-2. Nachdruck Graz 1955; G. Lisowsky: Konkordanz zum hebräischen A lte n Testament. Stuttgart 1958; E. Hatch, H. A. Redpath: A Concordance to the Septua- g in t and the Other Greek Versions o f the Old Testam ent (including the Apo- cryphical Books). O xford 1897. Nachdruck Graz 1954, 1975. — Gesondert is t der Psalter verzeichnet z. В. bei N. Sprenger Konkordanz zum syrischen Psalter. Wiesbaden 1976 oder bei 0. Odelain, R. Séguineau: Concordance de la Bible. Les psaumes. Paris 1980. Das zule tzt genannte Werte is t auch durch seine lexikogra- phische Methode von Interesse, w e il es das W ortgut nach them atischen Schlüsselbegriffen zu ordnen sucht und m it zahlreichen Querverweisungen, Syno- nym enlisten, Indices usw. v ie ls e itig erschließt. Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access 00056837 9 daß bei form al stärker divergierenden Stämmen der Zusammenhang verlorengeht, w eil nicht überall Verweisungen stehen (z. B. fehlen sie zwischen ־п Ьти bzw. пѣту + выти auf S. 322 und noÀ, -к>ц 1 ь auf S. 295). N icht ohne Probleme ist aber auch die Zuordnung der fin i- ten Formen zu den unterschiedenen Infinitiven, denn sie geschieht offenbar eher auf Grund rein form aler Ähnlichkeit und weitgehend ohne Berücksichtigung der morphonologischen Regularitäten, die w ir heute bei der Beschreibung korrelativer Aspektstämme im Russi- sehen als selbstverständlich voraussetzen. Einige Beispiele sollen dieses bei G il’tebrandt leider nicht erläuterte (geschweige denn be- gründete) Darstellungsverfahren verdeutlichen14. Nur durch die äußere Ähnlichkeit der Formen ist zu erklären, daß G il’tebrandt auf S. 301 zwar den Aorist представи von Ps. 77.13 wie zu erwarten dem In fin itiv представити zuweist, die 1. P. Sg. представлю von Ps. 49.21 aber einem sonst im W ortschatz des k ir- chenslavischen Psalters nicht belegten In fin itiv представ/ілти un- terordnet; ähnlich findet man auf S. 275 die Form der 2. P. Sg. пов'кдиши von Ps. 50.6 unter повѣдйти und die Form der 1. P. Sg. пов׳кжд 8 von Ps. 88.24 unter einem sonst im Psalter nicht vertre- tenen In fin itiv повѢжалти oder auf S. 239f. die 1. P. Sg. шврафВ von Ps. 67.23 unter dem In fin itiv шврацііти, nicht aber wie (иврати, швратилъ und швратАть unter швратити. W ie sehr es G il’tebrandt bei der Aufteilung der Form envielfalt auf die mehr oder weniger große Ähnlichkeit angekommen ist, zeigen vielleicht noch anschauli- eher die Belege unter призвати und призывати auf S. 308f.: während unter dem ersten In fin itiv alle Formen erscheinen, die wie призвати, призваша, призвах־ ь, призва und призвалъ ohne weiteres m it ihm zu verbinden sind, liest man unter призывати Formen wie призов#, при- зовё/иъ, призывіегь. призоветъ. призови, призывах# usw., also alle diejenigen, in denen offenbar schon der zwischen 3 und в auftre- tende Vokal (0 oder ы) so ״dissoziativ“ w irkte, daß eine Verbindung m it призвати nicht möglich erschien. Mehrfach werden in das an- scheinend hinter der Verteilung der belegten Formen stehende ״Ähn- lichkeitskalkül“ sogar Endungen einbezogen, z. B. wenn auf S. 406 allein für die 3. P. PI. оувлажатъ ein In fin itiv оувдажати (neben dem für die Belege von оувлажйти, оувиажйгъ, о^вЯжй und оувлажйша -zu״ ständigen“ In fin itiv оуълажити) eingeführt w ird oder auf S. 300 die 3. P. PI. прегрешать nicht zusammen m it прегрѣшихъ unter npe- грѣшйти, sondern in einem eigenen Lemma прегрѣшати a u ftritt, von dem dann verwiesen wird. Ein heutiger Benutzer der G il’tebrandt- Konkordanzen, der zunächst einmal an einer möglichst vollständigen Liste aller Belege eines gesuchten W ortes interessiert ist, tu t also bei Verben gut daran, an allen Stellen nachzusehen, die Nachweise 14 Vgl. hierzu auch die Hinweise, die D. Freydank in seiner Besprechung des Nachdrucks des ״Slovar’ к Novomu Zavetu“ gegeben hat (Z e its c h rift fü r Sia- w is tik 36, 1. 1991. S. 135-138). Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access bieten können. Bei Substantiven und Adjektiven gibt es solche irri- tierenden Eigenwilligkeiten weniger, aber sie kommen auch dort vor, z. B. wenn auf S. 311f. die Formen пришелца und пришелцв/иъ unter пришелецъ eingeordnet sind, die Form пришлецъ aber unter пришлецъ erscheint oder wenn auf S. 283 die Formen полвдне und под^иофи m it der Leitform полуденк bzw. полунофь geboten werden. Fragt man nach den Gründen für diese ungewöhnliche Einrichtung gerade der W ortartikel zu Verben, dann könnte einer sicher darin zu suchen sein, daß G il’tebrandt seinen präsumptiven Lesern mög- liehst w eit entgegenkommen wollte. Nicht ganz ausschließen läßt sich zudem, daß das Muster der Konkordanzen des 18. Jh. (von de- nen G il’tebrandt sich abzusetzen bemüht war) w eiterw irkt. Deren Bearbeiter haben jedenfalls keine Bedenken getragen, unter Ver- nachlässigung der Aspektverhältnisse und z. T. auch der Präfixe in ein und demselben Lemma die Belege sehr verschiedener Formen zusammenzufassen; man findet also z. B. in Kantemirs Konkordanz s. v. зрю auf Bl. 40v die Stellen m it оузриши, зр׳кти. 0 узрил 4 ъ. оузрАтъ. оузритъ, оузр׳кх־ ь, 3 pÀ, воззрѣ. воззрить usw. Noch auffäl- liger ist allerdings das Bestreben Kantemirs und seiner direkten Nachfolger, alle Verbbelege möglichst unter der Form der 1. P. Sg. des Präsens zu führen, denn zu diesem Zweck werden zahlreiche Verbstämme verwendet, die man weder im Psalter noch überhaupt sonst im kirchenslavischen Schrifttum findet, insbesondere viele Ite - rativa auf -ыва-, z. B. bei Kantemir ©ув־ кдываю(сА) auf Bl. 96v, um diejenigen Formen zu erfassen, die G il’tebrandt m it den Infinitiven ©ув^д^ти und 0 ув׳ѣсти(сА) einführt (S. 408)15. So betrachtet ist der oben zitie rte In fin itiv оувлажати als Repräsentant von оувлажатъ ein Relikt aus der älteren Konkordanz, denn Kantemir hat alle ange- führten Formen von оувлажйти unter оувлажаю registriert und auch sonst immer wieder pf. Belege einer zwar nicht immer im Psalter, dafür aber im Russischen gebräuchlichen 1. P. Sg. des jeweiligen ipf. Aspektstamms zugeordnet. Als d ritte r Faktor ist möglicherweise in Rechnung zu stellen, daß G il’tebrandt sich in der Morphologie des Kirchenslavischen nicht genügend ausgekannt hat, denn selbst wenn man eine gewisse pädagogische Absicht zur Vereinfachung und auch die Anlehnung an das Vorbild der älteren Konkordanzen akzeptiert, bleiben genügend fragwürdige Entscheidungen übrig, die zumindest von Inkonsequenz (wenn schon nicht von mangelnder V ertrautheit m it dem Sprachgebrauch älterer Texte und m it der zeitgenössischen linguistischen Literatur) zeugen. In dieser Hinsicht problematisch ist z. B. der In fin itiv льфати auf S. 191, der zur E r- fassung der 3. P. PI. Im pf, льфах# von Ps. 5.10 eingeführt wird, ob- 15 Zur Frage der Iterativa im 18. Jh. vgl. je tz t V. M. Živov; Iz״ is to rii rus- skoj gram m atiki: ite ra tiv y i im perfektivy v strukturē glagol’noj paradigmy“ , D olo- monosovskij period russkogo literatum ogo jazyka. M a te ria ły konferencii na Fagerudde, 20-25 maja 1989 g. Stockholm 1992. S. 247-270. Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access 00056837 И wohl der ״Slovar’ к Novomu Zavetu“ dieselbe Form /іфахѵ von Rn1• 3.13 auf S. 1007 richtig unter лстйти einordnet. Im Gegensatz dazu ist der In fin itiv шдеждитисА als Leitform für die 3. P. PI. шдежд 8 т- c a von Ps. 108.29 (S. 243) eine alte Crux, denn im ״Slovar’ к N 0 - vomu Zavetu“ ist auf S. 1287 m it der 1. P. PI. шдежде/ИСА von M t. 6.31 ebenso verfahren worden; selbst wenn bei der Wahl dieses In - fin itiv s die Vorgabe älterer Lexika wie z. B. des Akademiewörter- buchs von 1867 maßgeblich war, das ausdrücklich den Beleg von M t. 6.31 m it dem In fin itiv одеждити verbindet16, sind die ab- weichenden Zuordnungen von Vostokov (: од״ кти) und M iklosich (: одѣгати) unberücksichtigt geblieben17. Obwohl man gerechter- weise einräumen muß, daß zu Beginn der achtziger Jahre des 19. Jh. noch nicht sehr viele von denjenigen Werken zur Verfügung standen, denen w ir heute unsere bessere Kenntnis der Paradigmatik des kirchenslavischen (wie des russischen) Verbums verdanken, ist die Systematisierung der Verbformen bei G il’tebrandt sicher eine der schwachen Seiten seiner Konkordanzen. W ie bereits erwähnt, sind G il’tebrandts W örterbücher keine einfachen Stellenkonkordanzen, die sich auf den Nachweis des ge- suchten Wortes oder der W ortform beschränken, sondern Lexika m it einer vergleichsweise aufwendigen, bis in die Einzelerklärung von Versen reichenden Semantisierung des behandelten W ortguts. • » Jeder A rtikel enthält neben einer Übersetzung des kirchenslavischen W ortes ins Neurussische die zugehörigen Äquivalente im G riechi- sehen und Lateinischen und darüber hinaus bei den einzelnen Stellen ergänzend weitere Parallelen, und zwar aus der Synodal- Übersetzung, aus der Vulgata und aus der 1878 in Berlin nachge- * • __ druckten lateinischen Übersetzung der Psalmen von Immanuel Tremellius (1510-1580) und Franz Junius (1545-1602). M it diesen Zu- Sätzen, die die W ortartikel gelegentlich etwas unübersichtlich machen, stößt G il’tebrandt bei der lexikalischen Erschließung des Psalters deutlich weiter in die Exegese vor, als er es m it den E r- läuterungen in seinem ״Slovar״ к Novomu Zavetu“ getan hat. In Hinblick auf die Semantik sind aus heutiger Sicht wahrscheinlich seine neurussischen Interpretamente am interessantesten, w eil man sie einerseits zu der auch nach dem Erscheinen der Synodalüberset 16 Slovar’ cerkovno-slavjanskago i russkago jazyka, sostavlennyj Vtorym otdeleniem Imperatorskoj Akadem ii nauk. 2. A u fl. Bd. 3. S.-Peterburg 1867. Sp. 100; vgl. ohne fin ite Verbform одеждити bei A. Ch. Vostokov: Cerkovnoslayjanskij slo- var*. T. 2. S.-Peterburg 1861. Sp. 34 und die genannten Formen von M t. 6.31 und Ps. 108.29 unter одеждатися, ждаюся, ждуся im Slovar’ Akadem ii Rossijskoj. 2. A u fl. Bd. 4. S.-Peterburg 1822. Sp. 212. 17 Vgl. A. Ch. Vostokov: Grammatika cerkovno-slovenskago jazyka, iz lo - žennaja po drevnejšim onago p is’mennym pamjatnikam. S.-Peterburg 1863. Nach- druck Köln 1980. S. 60; Fr. M iklosich: Lexicon palaeoslovenico-graeco-latinum emendatum auctum. Vindobonae 1862-1865. S. 491; und R. Mathiesen: The In fle c - tional M orphology o f the Synodal Church Slavonic Verb. Phil. Diss. Colum bia Univ. 1972. Ann Arbor 1972. Bl. 290f. Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access zung von 1876 nicht abgerissenen Diskussion um die Übertragung der Bibel in die moderne russische Sprache in Beziehung setzen kann18, auf der anderen Seite von ihnen aber auch zu lohnenden Einsichten in die Entwicklung des russischen Wortschatzes und de- ren lexikographische Behandlung geführt wird. So ist es sicher symptomatisch, daß 0 . A. Sedakova in ihrem jüngst erschienenen Verzeichnis sog. kirchenslavisch-russischer Paronyme 19 manche Ausdrücke des kirchenslavischen Psalters anders übersetzt, als das G il’tebrandt vor einem Jahrhundert getan hat. Als eines dieser so- wohl im Russischen als auch in den kirchenslavischen Texten auf- tretenden W örter von gleicher Form, aber divergierender Bedeutung hat sie auch болезнь genannt, und zwar m it den Bedeutungsanga- ben: 1. Страдание телесное и душевное 2. Несчастье, зло, порок, vóooç 3. немощь, àotpévia [sic!J 4. душевная боль 5. родовые боли; роды, wôíç 6 . труд, подвиг, novoç (о подвижниках; мучениках ).20 Wenn man die Liste dieser kirchenslavischen Sonderbedeutungen, fü r die unter 2. aus dem Psalter die Verse 17.6 und 9.28 angeführt werden, m it einem der neueren russischen Wörterbücher vergleicht, dürfte sie überzeugend wirken, denn dort ist in der Regel nur die eigentliche Bedeutung von russ. болезнь angegeben, vgl. Нарушение нормальной жизнедеятельности организма 21 oder Расстройство здоровья, нарушение правильной деятельности организма .22 Nur das sog. Große Akademiewörterbuch gibt deutlicher zu erken- nen, daß болезнь schon seit langem und durchaus nicht selten übertragen verwendet werden kann, vgl. in der neuesten Auflage 1. Нарушение нормальной жизнедеятельности организма, рас- стройство здоровья (о человеке) [...] / / Нарушение нормальной жизнедеятельности организма животного [...] / / Отклонение от нормального развития растения [...]. 2. Повреждение, разрушение ( б. бумаги, камня). 18 Vgl. E. Bryner. ״Neuere russische Bibelübersetzungen“ , Unser ganzes Leben unserem Gott überantworten. Studien zur ostkirchlichen S piritu alitä t. F airy von L ilie n fe ld zum 65. Geburtstag. Göttingen 1982. S. 399-416. 19 0 . A. Sedakova: ״Cerkovnoslavjansko-russkie paronimy“ , Slavjanovede- nie 1992, 5. S. 95-111. - Über die Wortschatzbeziehungen zwischen dem K irchen- slavischen und der W irtssprache Russisch vgl. auch J. Plähn: Der Gebrauch des Modemen Russischen Kirchenslavisch in der Russischen Kirche. Hamburg 1978. S. 85-93. 20 Sedakova a. a. 0. S. 100. 21 Slovar* russkogo jazyka v ietyrech tomach. 2. A u fl. Bd. 1. M oskva 1984. S. 104f. 22 S. I. Ožegov: Slovar* russkogo ja zyka 14. A u fl. Moskva 1982. S. 51. Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access 000Б6837 13 3. Перен. Отклонение от нормы в чем־л.; отрицательное качество, свойство чего־л. (б. непонимания, б. возраста ; insbesondere б. века, времени, роста).23 Auch die neuesten Auflagen von Ožegovs Wörterbuch differenzieren etwas mehr als die oben zitierte ältere, wenn sie schreiben: Расстройство здоровья, нарушение деятельности организма [...] (перен: трудности, возникающие при становлении, освоении чего־н. нового ).24 M it seinen zahlreichen Bedeutungs- bzw. Äquivalentangaben doku- m entiert G il’tebrandts BO/fksHh-Artikel (S. 28f.) nicht nur die ausge- prägte Polysemie, über die das W ort an den dort genannten Stellen des kirchenslavischen Psalters verfügt. Darüber hinaus scheint die summierende Angabe der russischen Bedeutung болѣзнь: недугъ, немощь; печаль, скорбь, страданіе anzeigen zu wollen, daß in der Sprache des Psalters selbst russ. болезнь Bedeutungen gewinnen kann, die über die ursprünglich- wörtliche von ״Schmerz“ und ״Krankheit“ (im physischen Sinne) hinausgehen. Wahrscheinlich ist die hier nahegelegte Verwendung von болезнь nur im Rahmen einer markant kirchlich-religiösen Stilisierung denkbar gewesen, also gewissermaßen als eines der Merkmale der in der ersten Hälfte des 19. Jh. propagierten Sonder- spräche der G eistlichkeit anzusehen25. Immerhin fä llt auf, daß in den russischen Psalterübersetzungen anstelle von ksl. боязнь meist andere W örter als болезнь gewählt sind, und heute würde man möglicherweise auch die Verse 40.4 und namentlich 89.10 [90.10, Luthers ״Mühe und Arbeit“ ] nicht mehr m it diesem Substantiv übertragen wollen26. Das griechisch-kirchenslavische W örterverzeichnis, das in G il’tebrandts ״Slovar к P saltiri“ fast ein Fünftel des Raumes ein 23 Slovar’ sovremennogo russkogo literatum ogo jazyka. 2. A u fl. Bd. 1. Moskva 1991. S. 686 f. und nicht ganz so ausführlich schon 1. A u fl. Bd. 1. Moskva, Leningrad 1950. Sp. 549f. Für das 18. Jh. hebt der Slovar’ russkogo jazyka X V III v. Bd. 2. Leningrad 1985. S. 98 zw ei übertragene Bedeutungen ausdrücklich als slav. hervor. 24 S. I. Ožegov: Slovar’ russkogo jazyka. 22. A u fl. Moskva 1990. S. 60. 25 V. M. Živov: ״Lingvističeskoe blagočestie v pervoj poiovine X IX veka (Iz is to rii razmnoženija literatum ych jazykov v poslepetrovskuju épochu)“ , W iener Slaw istischer Almanach 13. 1984. S. 363-395. 26 K. I. Logačev: К״ voprosu ob ulučšenii perevoda Novogo Zaveta (Lek- siko-frazeologičeskie problemy russkogo perevoda)“ , Bogoslovskie trudy 14. 1975. S. 160-165 hat ans der Synodalübersetzung des Matthäus-Evangeliums eine Liste interferenzgefährdeter (mißverständlicher) W örter zusammengestellt, deren russi- sches Aussehen nicht darüber hinwegtäuschen sollte, daß sie an einigen Stellen in kirchenslavischer W eise verwendet werden, nämlich: родословие, род, родить, отец, сын, переселение, душа, правда, дитя, волхв, книжник, воеводство, со- кровище, пределы, в покаяние, сильный, гумно, огласить, отпустить, принять, упасти, избить, говорить о себе, от, перед. W ie bei болезнь ♦ волѣзнь handelt es sich auch hier vie lfa ch um Wörter, die bei einer rein formbezogenen Analyse kaum m it dem Kirchenslavischen in Verbindung gebracht werden. Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access nimmt (S. 451-549), ist ein Umkehrindex, der die Äquivalentreihen des kirchenslavischen Teils nochmals von den griechischen Vorlage- Wörtern bzw. den W ortformen her präsentiert. Der Bearbeiter hat sich seine Sache w irklich einfach gemacht, denn auch hier werden Partizipienbelege nicht dem In fin itiv zugeordnet, sondern wie in der Ausgangsliste separat geführt - m it der Folge, daß gelegentlich, wie z. B. bei а у ш т ѵ (S. 452) und r!yam 1 névoç (S. 492), etwas Phan- tasie und Glück erforderlich ist, um Zusammengehöriges zu finden. Eine fragwürdige H ilfe gerade für den uneingeweihten Benutzer ist zudem, daß in diesem Index unter jedem griechischen Vorlageäqui- valent eines kirchenslavischen Wortes alle (!) neurussischen Bedeu- tungsangaben wiederholt werden, die letzterem in der Gesamtheit seiner Bedeutungen zugeschrieben worden sind. Da ksl. во/гкзнь (um bei diesem Beispiel zu bleiben) den Substantiven nóvoç, 00 ,ףעט 0 )ôív/(bôíç, àXyr|ò(bv, аХуг 1 ца, aģģoaotia und òtXyoç im griechischen Psalter entspricht, liest man hier unter jedem (!) dieser W örter also nicht nur - wie zu erwarten - m it Б 0 /гкзнь das kirchenslavische Äquivalent des Psaltertextes, sondern parallel dazu immer auch dessen oben bereits zitierte Bedeutungssumme für das Neurussische ״болѣзнь: недугъ, немощь; печаль, скорбь, страданіе“ . W er m it dem Griechischen nicht richtig vertraut ist, könnte durch diese zu- sätzliche Angabe zu falschen Schlüssen über den tatsächlichen Be- deutungsumfang der genannten W örter verleitet werden. Freilich sollten w ir auch in diesem Punkt m it G il’tebrandt nachsichtig sein, denn über die schwierigen semantischen Probleme, die das Um- kehren von Wörterbüchern gerade bei älteren Sprachstufen aufw irft, w ird in lexikographischen Arbeiten erst seit kurzem deutlicher ge- sprochen27, und das Erscheinen des gleichfalls durch schlichtes Wenden entstandenen ״Deutsch-Altbulgarischen Wörterbuchs “28 belegt eindringlich, wie wenig Beachtung diese Schwierigkeiten bei der Koordination heterogener semantischer Systeme selbst im enge- ren Bereich der kirchenslavischen Philologie bis zum heutigen Tag finden. In jedem Fall ist der griechische Index zum ״Slovar’ к P saltiri“ bei umsichtigem Gebrauch ein nützliches H ilfsm itte l für Lexikologen, die an der wechselnden Wiedergabe bestimmter grie- chischer W örter im Laufe der fast tausendjährigen Übersetzungsge- schichte des Kirchenslavischen interessiert sind. In besonderem Maße g ilt das soeben Gesagte natürlich von der Übersetzungsgeschichte des Psalters, in der der von G il’tebrandt exzerpierte Text die letzte Stufe der Entwicklung darstellt. Trotz 2 7 Vgl. zuletzt R. Plate: ״Onomasiologische Um kehrlexikographie au f dem Prüfstand. A nläßlich des Erscheinens von E. K oller, W. W egstein, N. R. W o lf: Neuhochdeutscher Index zum mittelhochdeutschen W ortschatz. Stuttgart: H irzel 1990. X II, 544 S.“ , Z e its c h rift fü r D ialektologie und L in g u is tik 59, 3. 1992. S. 312-329. 28 U. Theissen: Deutsch-Altbulgarisches Wörterbuch. Nemsko־starob־ blgar- ski rečnik. 1-2. Salzburg 1991. Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access eines in den letzten Jahren spürbar belebten Interesses an den ver- schiedenen Redaktionen und Bearbeitungsschichten, die sich beim systematischen Vergleich von Psalter-Handschriften oder auch nur von charakteristischen Psalterzitaten in anderen Denkmälern erm it- teln lassen, sind w ir von der erwünschten vollständigen Übersicht über die Schicksale des kirchenslavischen Psalter-Textes von den ältesten Zeugnissen bis zur Gegenwart noch w eit entfernt. Bei den in diese Richtung zielenden Studien haben lexikalische Beobachtun- gen ein erhebliches Gewicht29, und das erklärt, warum Ausgaben von Psalter-Handschriften und selbst von Fragmenten häufig m it W ortindices ausgestattet werden30. So verbindet sich m it dem Nachdruck von G il’tebrandts ״Slovar’ к P saltiri“ die Hoffnung, daß sein W erk trotz ursprünglich anderer Zweckbestimmung auch solche philologischen Forschungen fördern kann. Dem Slavischen Institut der Universität zu Köln ist dafür zu danken, daß es sein Exemplar für die Reproduktion zur Verfügung gestellt hat. H. K e i p e r t 29 Vgl. in le tzte r Zeit z. B. E. V. Češko: ״Ob afonskoj redakcii slavjan- skogo perevoda psaltyri v ее otnošenii к drugim redakcijam ״, Jazyk i p is ’mennost’ srednebolgarskogo perioda Moskva 1982. S. 60-92; B. Grabar ״O sobitosti g ra fije i jezika glagoljskog Fraščičeva Psaltira“ , Litterae Slavicae M e d ii aevi Fr. V. Mareš sexagenario oblatae. München 1985. S. 75-96; E. Koceva, L Karačorova, A. A tana- sov; ״Nekotorye osobennosti slavjanskich psaltyrej na m ateriale X I-X V I w .“ , Polata kbnigopisbnaja 14-15. 1985. S. 26-38; I. Karačorova: ״K im voprosa na K irilo -M e to d ie v ija starobilgarski prevod na Psaltira“ , K irilo -M e to d ie v s k i studii 6 1989. S. 130-245; M. MacRobert: The״ Greek T extological Basis fo r the Early Redactions o f the Church Slavonic Psalter״, Palaeobulgarica 14, 2. 1990. S. 7-15 u. a. m. Gegenüber diesen auf Kontraste und Aufspaltungen in der T e xttra d itio n angelegten Abhandlungen sind Arbeiten, die den kirchenslavischen P salter-W ort- schätz ganzheitlich, z. B. auf onomasioloçischer Grundlage, behandeln, in der M inderzahl, vgl. etwa T. Friedelówna: ״Świat zw ierzęcy w Psalmach״, A cta U niversitatis N icolai Copernici. F ilo lo g ia polska 31. 1990. S. 121-147 und dies.: ״Świat roślinny w Psalmach (O nazwach roślin w scsłowiańskim ,Psałterzu synajskim1 )“ , ebenda 34. 1990. S. 31-46. 30 Vgl. Drevle-slavjanskaja p s a ltir’ Simonovskaja do 1280 goda. Trud arch. A m filo c h ija T. 3. Vtoroe izdanie, dopolnennoe [ ״.]. M oskva 1881 (S. 421-452: ״Drevle-slavjano-greko-russkij sravniternyj slovar* P saltiri Simonovskoj do 1280 goda“ ); Sinajskaja psaltyr’. G lagoličeskij pam jatnik X I veka. Podgotovil к pečati S. Sever’janov. Petrograd 1922 (S. 179-392: ” Slovar’“ ); Norovskaja psaltyr'. Srednebol- garskaja rukopis’ ХГѴ veka. Č. 1. Izdanie podgotovili E. V. Ceško, I. K. Bunina [u. a.]. S ofija 1989 (S. 115-169: ״U kazatel״ akcentirovannych slovoform , upotre- blennych v ,Norovskoj p sa ltyri“ ‘; S. 170-185: ״Spisok slovoform, napisannych v ,Norovskoj psa ltyri' sokraščenno“ ); E. Lofstrand: Slavonic Parchment Fragments in Sweden. I. Paroemiarion, Triodion, Psalter. Stockholm 1984 (S. 169-187: ״Glossary to the Psalter“ ); V. Christova: ״Bičkovski psaltir. Tekst. Indeks na slovoform ite", Godišnik na S ofijskija universitet. Fakultet slavjanski filo lo g ii 79, 2. 1991. S. 49-73; Psaltyr’ 1683 goda v perevode Avraam ija Firsova. Podgotovka teksta, sostavlenie slovoukazatelja i predislovie E. A. Celunovoj. München 1985 (S. 299־ 652: ״Ukazatel’ slov i form к Psaltyri A. Firsova 1683 goda“ ) u. a״ Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access CIPÂMIM i ошшшыш ! С О С Т А В Л Е Н Н Ы Й ПШШ ІШТШЩТШ ( Р A3JHClíH<Mx) У д о с т о е н ъ п р е м і и м и т р о п о л и т а М а к а р і я САНКТПЕТЕРБУРГЪ С и н о д а л ь н а я Т и п о г р а ф і я 1 8 9 8 Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access Отъ С.-Петербургскаго Духовнаго Цензурнаго Комитета печатать дозволяется. С.-Петербургъ. Іюля 25 дня 1895 года. Цензоръ, Архимандритъ Тихонъ. Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access 00056837 СВЯЩЕННОЙ ПАМЯТИ Царя-Миротворца ИМПЕРАТОРА АЛЕКСАНДРА Т Р Е Т Ь Я !! Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access A 5 3 ״ й & а д іjrìc! Unj ן :' ' а 0 m m Petr A. Gil'tebrandt - 9783954790067 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 03:20:05AM via free access