Theologie im öffentlichen Ethikdiskurs Öffentliche Theologie Herausgegeben von Heinrich Bedford-Strohm, Wolfgang Huber und Torsten Meireis Band 37 Christine Schliesser Theologie im öffentlichen Ethikdiskurs Studien zur Rolle der Theologie in den nationalen Ethikgremien Deutschlands und der Schweiz EVANGELISCHE VERLAGS ANSTALT Leipzig Bibliographische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über https://portal.dnb.de abrufbar. Dieses Werk ist lizenziert unter der Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 4.0 Lizenz (BY-NC-ND). Diese Lizenz erlaubt die private Nutzung, gestattet aber keine Bearbeitung und keine kommerzielle Nutzung. Weitere Informationen finden Sie unter https://creativecommons. org/licenses/by-nc-nd/4.0/deed.de. Die Bedingungen der Creative-Commons-Lizenz gelten nur für Originalmaterial. Die Wiederver- wendung von Material aus anderen Quellen (gekennzeichnet mit Quellenangabe) wie z.B. Schau- bilder, Abbildungen, Fotos und Textauszüge erfordert ggf. weitere Nutzungsgenehmigungen durch den jeweiligen Rechteinhaber. © 2019 by Evangelische Verlagsanstalt GmbH · Leipzig Edited in Germany Cover: Kai-Michael Gustmann, Leipzig Satz: Matthias Müller, Berlin Druck: Hubert & Co., Göttingen Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier Print-ISBN 978-3-374-05885-3 PDF-ISBN 978-3-374-06582-0 https://doi.org/10.5167/uzh-168983 www.eva-leipzig.de Christine Schliesser, Dr. theol., Jahrgang 1977, studierte Evangeli- sche Theologie und Englisch in Tübingen und Pasadena (USA) und ist Privatdozentin für Systematische Theologie an der Universität Zürich. Sie ist wissenschaftliche Koordinatorin der Interfakultären Forschungskooperation »Religious Conflicts and Coping Strategies« an der Universität Bern, Research Fellow am Chair for Historical Trauma and Transformation an der Universität Stellenbosch (Süd- afrika), Vorstandsmitglied der Internationalen Dietrich Bonhoeffer- Gesellschaft, deutschsprachige Sektion, und Mitglied des Berlin Ins- titute for Public Theology. Publiziert mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissen- schaftlichen Forschung. Für Benny Vorwort Die Rolle(n) der Theologie in der Öffentlichkeit einer pluralistischen Gesellschaft adäquat zu bestimmen, gehört zu den Kernaufgaben gegenwärtiger Theologie. Damit sind sowohl deskriptive wie normative Aufgaben verbunden. Beiden wird hier im Blick auf eine ganz spezifische Öffentlichkeit, nämlich die des institu- tionalisierten Ethikdiskurses, nachgegangen. Auf grundlegende Überlegungen zu vier paradigmatischen theologischen Entwürfen zur Zuordnung von Theolo- gie und Öffentlichkeit folgt eine empirische Analyse der gegenwärtigen Rolle(n) der Theologie am Beispiel der nationalen Ethikgremien Deutschlands und der Schweiz. Mit Hilfe von zwölf qualitativen Interviews konnten so aktuelle, au- thentische und in ihrer Weise einzigartige Erkenntnisse gewonnen werden. Aus den Analysen geht die Öffentliche Theologie als der produktivste Entwurf hervor, dem im letzten Teil eine christologische Zuspitzung und Kontur verliehen wird. Mit diesem Band liegt meine Habilitationsschrift in gekürzter und leicht überarbeiteter Fassung vor. Sie wurde im Herbstsemester 2017 / 2018 von der theologischen Fakultät der Universität Zürich angenommen. Herzlich danken möchte ich dabei vor allem Prof. Dr. Markus Huppenbauer, der nicht nur das Erstgutachten erstellt, sondern mich auch am Ethik-Zentrum der Universität Zü- rich in vielfacher Weise unterstützt hat. Prof. Dr. Torsten Meireis, Humboldt-Uni- versität zu Berlin, danke ich für das instruktive Zweitgutachten. Viele Kolleginnen und Freunde haben mit ihren Anregungen und ihrer Kri- tik zum Gelingen der Arbeit beigetragen. Von Prof. Dr. Eilert Herms, Eberhard Karls Universität Tübingen, stammen die ersten Impulse zur Beschäftigung mit dieser Thematik. Auch hat meine Arbeit vom Zürcher Oberseminar von Prof. Dr. Johannes Fischer profitiert. Dank gilt insbesondere auch den Interviewpart- nerinnen und Interviewpartnern, die sich auf meine Fragen einließen und die- se Studie durch ihren Erfahrungsschatz und ihre Praxisnähe bereichert haben. Insbesondere Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Wolfgang Huber danke ich dabei für den weiterführenden Austausch und seine hilfreichen, auch in der Kritik stets wert- schätzenden Anmerkungen. Großzügig unterstützt wurde die Arbeit an der Studie durch ein Post-Doc- Stipendium (»Forschungskredit«) der Universität Zürich sowie durch den Uni- versitären Forschungsschwerpunkt Ethik (UFSPE) am Zürcher Ethik-Zentrum. Mein besonderer Dank am Ethik-Zentrum gilt Jana Holeckova, deren praktische Hilfe meine Arbeit sehr erleichterte. Matthias Müller in Berlin danke ich für die Vorwort VIII sorgfältige und rasche Redaktionsarbeit. Den Herausgebern der Reihe »Öffentli- che Theologie«, Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Wolf- gang Huber und Prof. Dr. Torsten Meireis, danke ich für die Aufnahme der Arbeit in die Reihe. Auch danke ich der Evangelischen Verlagsanstalt, insbesondere Dr. Annette Weidhas, für ihre engagierte und freundliche Begleitung des gesam- ten Publikationsprozesses. Die Open-Access-Publikation erfolgte mit finanzieller Unterstützung durch den Schweizerischen Nationalfonds (SNF), für die ich herz- lich danke. Umfangreiche Projekte wie Habilitationsschriften beanspruchen ihren Sitz im Leben, auch im Leben der Ausführenden. Der größte Dank gebührt daher meinen Kindern Naemi Joy, Chira Jael und Noel Benjamin und meinem Mann Benjamin dafür, dass sie mich nicht nur jahrelang mit diesem Projekt geteilt, sondern mich mit Liebe, Verständnis und Geduld begleitet und ermutigt haben. Niederwenigen, im Oktober 2018 Christine Schliesser Inhalt Abkürzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . XVII 1 Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 1.1 Problemstellung: John Rawls als »Dreh- und Angelpunkt der ganzen Debatte« . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 1.2 Zur Struktur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 1.3 Begriffsklärungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 1.3.1 »Rolle« . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 1.3.2 »Theologie« . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 1.3.3 »Öffentlichkeit«. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 1.3.4 Der Ethikdiskurs und seine Institutionalisierung . . . . . . . . . . 21 1.3.4.1 Der öffentliche Ethikdiskurs und sein gesellschaftlicher Kontext 22 1.3.4.2 Der öffentliche Ethikdiskurs und die philosophische Ethik . . . . . 24 1.3.4.3 Der öffentliche Ethikdiskurs und die theologische Ethik . . . . . . 26 1.4 Zur Methodik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 1.5 Stand der Forschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 1.5.1 Theologische Perspektiven . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29 1.5.2 Perspektiven anderer Disziplinen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40 1.5.3 Die englischsprachige Diskussion . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46 1.6 Ethikkommissionen: Grundsätzliche Aspekte und die Beispiele des Deutschen Ethikrates (DER), der Eidgenössischen Ethikkommission für die Biotechnologie im Außerhumanbereich (EKAH) und der Schweizer Nationalen Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK) . . . . . . . . . . . . . . . . 49 X Inhalt 1.6.1 Ethikkommissionen: Eine Typologie . . . . . . . . . . . . . . . . . 49 1.6.2 Ethische und moralische Expertise . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 1.6.3 Der institutionalisierte Ethikdiskurs: Funktionaler Bestandteil einer »konsensualen Demokratie«? . . . . . . . . . . 52 1.6.3.1 Konsens: Was sollen Ethikräte leisten? . . . . . . . . . . . . . . . 53 1.6.3.2 Konsens: Was können Ethikräte leisten? . . . . . . . . . . . . . . . 55 1.6.4 Der DER, die EKAH und die NEK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 1.6.4.1 Der Deutsche Ethikrat (DER) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59 1.6.4.2 Die Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Außerhumanbereich (EKAH) . . . . . . . . . . . 62 1.6.4.3 Die Eidgenössische Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 1.6.4.4 DER, EKAH und NER: Gemeinsamkeiten und Differenzen . . . . . 68 2 Gegenwärtige Modelle zur Bestimmung des Verhältnisses von Theologie und Öffentlichkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73 2.1 Öffentliche Theologie (Wolfgang Huber und Heinrich Bedford-Strohm) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73 2.1.1 Was ist Öffentliche Theologie? Hintergrund, Begriffsgeschichte und Selbstverständnis . . . . . . . . . . . . . . 73 2.1.1.1 Definition . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77 2.1.1.2 Theoretischer Status . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79 2.1.1.3 Subjekt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 2.1.1.4 Aufgabe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 2.1.2 Theologie und Kirche in pluralen Öffentlichkeiten . . . . . . . . . 81 2.1.2.1 Öffentlichkeitsanspruch und Öffentlichkeitsauftrag . . . . . . . . . 81 2.1.2.2 Grundrichtungen Öffentlicher Theologie und Kirche . . . . . . . . 83 2.1.2.3 Referenzbereich Staat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85 2.1.2.4 Referenzbereich Wirtschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86 2.1.2.5 Referenzbereich Zivilgesellschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87 Inhalt XI 2.1.2.6 Referenzbereich kulturelle Kommunikation . . . . . . . . . . . . . 89 2.1.3 Kritische Würdigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89 2.1.3.1 Der Vorwurf der Konturlosigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 2.1.3.2 Öffentliche Theologie, Öffentliches Christentum, Öffentliche Kirche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95 2.1.3.3 Zur Intradisziplinarität Öffentlicher Theologie . . . . . . . . . . . . 97 Exkurs: Übersetzung und Zweisprachigkeit: Religiöse Überzeugungen im öffentlichen Diskurs . . . . . . . . . 98 2.2 Christliche Politik (Eilert Herms) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 2.2.1 Handlungstheorie als Ausgangspunkt . . . . . . . . . . . . . . . . 116 2.2.2 Die religiös-weltanschauliche Orientiertheit jeder ethischen Urteilsbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119 2.2.3 Die Forderung einer Entprivatisierung des Weltanschauungsdiskurses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121 2.2.3.1 Möglichkeit und Notwendigkeit einer Verständigung auf handlungsleitende Gewissheiten . . . . . . . . . . . . . . . . . 123 2.2.3.2 Möglichkeit und Notwendigkeit einer Verständigung über handlungsleitende Gewissheiten . . . . . . . . . . . . . . . . 130 2.2.3.3 Ethische Mündigkeit und ethisch verantwortete politische Konsense: Zur Notwendigkeit der Entprivatisierung des Weltanschauungsdiskurses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131 2.2.4 Kritische Würdigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137 2.2.4.1 Die Institutionalisierung der Arbeit an den Grundaufgaben des Zusammenlebens: Zum Gesellschaftsverständnis von Eilert Herms . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138 2.2.4.2 Zur weltanschaulichen Fundiertheit allen Handelns . . . . . . . . 140 2.2.4.3 Zur »Inszenierung eines öffentlichen Ethikdiskurses auf der Ebene von Kommissionen« . . 142 2.3 Ethische Theologie (Trutz Rendtorff) . . . . . . . . . . . . . . . . . 143 2.3.1 Ethik als deskriptive Grundwissenschaft . . . . . . . . . . . . . . 143 2.3.2 Ethik als Theorie der menschlichen Lebensführung . . . . . . . . . 146 2.3.3 Protestantismus und Kultur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 148 2.3.4 Die Autorität der Freiheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150 XII Inhalt 2.3.4.1 Politik, Staat, Öffentlichkeit, Demokratie und Pluralismus . . . . . 151 2.3.4.2 Religion, Kirche und Theologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155 2.3.5 Kritische Würdigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162 2.3.5.1 Öffentliche Verantwortung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163 2.3.5.2 Protestantismusverständnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 164 2.3.5.3 Individualität und Sozialität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 166 2.3.5.4 Deskription, nicht Normativität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167 2.4 Kritische Zeitgenossenschaft (Eberhard Schockenhoff) . . . . . . . 170 2.4.1 Ethik als Verbindung von Tugendethik und normativer Ethik . . . 171 2.4.1.1 Allgemeingültigkeit und Kommunikabilität . . . . . . . . . . . . . 172 2.4.1.2 Handeln und Freiheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174 2.4.2 Kritische Zeitgenossenschaft: Zur Verhältnisbestimmung von Kirche und Welt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 178 2.4.2.1 Grundlagen: Kritische Zeitgenossenschaft im Lichte der Schöpfung, der Menschwerdung Gottes und des Kreuzes Jesu Christi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 180 2.4.2.2 Konkretion: Kritische Zeitgenossenschaft inmitten der Verwissenschaftlichung der Welt . . . . . . . . . . . . . . . . . 183 2.4.2.3 Zuspitzung: Kritische Zeitgenossenschaft in Ethikräten . . . . . . 187 2.4.3 Kritische Würdigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190 2.4.3.1 »Ungeteilt und unvermischt«: Das Chalcedonense als Zuordnungsformel für Kirche und Welt . . . . . . . . . . . . . 190 2.4.3.2 Ethischer Minimalkonsens und moralische Prinzipien . . . . . . . 191 2.4.3.3 Kommunikabilität, Interdisziplinarität, theologische Reflexion aktueller Themen: Schockenhoff als »Öffentlicher Theologe«? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194 Inhalt XIII 3 Auf dem Weg zu einer empirisch informierten Rede über die Rolle der Theologie in nationalen Ethikgremien: Qualitative Interviews mit Mitgliedern des DER, der EKAH und der NEK . . . . . . . . . . . 197 3.1 Zu den Gründen einer empirisch informierten Theologie . . . . . . 198 3.2 Aufbau und methodisches Design der qualitativen Interviewstudie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201 3.2.1 Fragestellungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201 3.2.2 Auswahlkriterien und Rekrutierung der Interviewteilnehmerinnen und Interviewteilnehmer . . . . . . . . 205 3.2.3 Zugang zum Feld, Interviewdurchführung und Reflexion der eigenen Rolle im Feld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 209 3.2.4 Zur Interviewauswertung und Codierung mit Hilfe von ATLAS.ti7: Qualitative Inhaltsanalyse . . . . . . . . . . . . . . 212 3.2.5 Zur Darstellung qualitativer Forschung . . . . . . . . . . . . . . . 214 3.3 Auswertung der qualitativen Interviews . . . . . . . . . . . . . . . 216 3.3.1 Ergebnisse bezüglich Forschungsfrage (1): Wie würden Sie die Rolle der theologischen Ethik in Ihrem Gremium beschreiben? Stimmt Ihre Wahrnehmung dieser Rolle mit Ihrem eigenen Verständnis dieser Rolle überein? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 217 3.3.1.1 DER: Innenperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 217 3.3.1.2 DER: Außenperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 225 3.3.1.3 EKAH: Innenperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 231 3.3.1.4 EKAH: Außenperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 233 3.3.1.5 NEK: Innenperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 235 3.3.1.6 NEK: Außenperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 238 3.3.1.7 Diskussion der Ergebnisse zu Forschungsfrage (1) . . . . . . . . . 243 3.3.2 Ergebnisse bezüglich Forschungsfrage (2): Wie würden Sie Ihr eigenes Selbstverständnis als theologischer Ethiker beschreiben? . . . 262 3.3.2.1 DER . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 262 3.3.2.2 EKAH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 266 XIV Inhalt 3.3.2.3 NEK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269 3.3.2.4 Diskussion der Ergebnisse zu Forschungsfrage (2) . . . . . . . . . 271 3.3.3 Ergebnisse bezüglich Forschungsfrage (3): Wie würden Sie Ihre Außenwahrnehmung als theologischer Ethiker beschreiben? . . 282 3.3.3.1 DER . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 283 3.3.3.2 EKAH . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 284 3.3.3.3 NEK . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 285 3.3.3.4 Diskussion der Ergebnisse zu Forschungsfrage (3) . . . . . . . . . 286 3.3.4 Ergebnisse bezüglich Forschungsfrage (4): Wie ist Ihr eigener Umgang mit theologischer Argumentation / religiöser Sprache? Welche Erfahrungen haben Sie mit theologischer / religiöser Sprache gemacht, insbesondere unter den Aspekten ihrer Wahrnehmbarkeit, Verständlichkeit und Anschlussfähigkeit? . . . . . 289 3.3.4.1 DER: Innenperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 290 3.3.4.2 DER: Außenperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 292 3.3.4.3 EKAH: Innenperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 293 3.3.4.4 EKAH: Außenperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 294 3.3.4.5 NEK: Innenperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 295 3.3.4.6 NEK: Außenperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 296 3.3.4.7 Diskussion der Ergebnisse zu Forschungsfrage (4) . . . . . . . . . 296 3.3.5 Ergebnisse bezüglich Forschungsfrage (5): Gibt es Ihrer Meinung nach spezifische Kompetenzen, die theologische Ethikerinnen und Ethiker auszeichnen? . . . . . . . . . . . . . . . . 309 3.3.5.1 DER: Innenperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 310 3.3.5.2 DER: Außenperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 312 3.3.5.3 EKAH: Innenperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 313 3.3.5.4 EKAH: Außenperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 314 3.3.5.5 NEK: Innenperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 315 3.3.5.6 NEK: Außenperspektive . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 316 3.3.5.7 Diskussion der Ergebnisse zu Forschungsfrage (5) . . . . . . . . . 316 3.3.6 Zwischenfazit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 327 Inhalt XV Exkurs: Zur Rolle von Theologie und Kirche in der Öffentlichkeit: Länderspezifische Unterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 329 4 Zur Rolle der theologischen Ethik im öffentlichen Ethikdiskurs: Anstiftungen zu einer Öffentlichen Theologie . . . . . . . . . . . 337 4.1 Zum »kairos moment« einer Öffentlichen Theologie . . . . . . . . . 339 4.2 Die gegenwärtige deutschsprachige Öffentliche Theologie: Bestandsaufnahme und Problemanzeige . . . . . . . . . . . . . . . 340 4.2.1 Die Öffentliche Theologie und Dietrich Bonhoeffer: Theologie für Kirche und Welt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 343 4.2.2 Öffentliche Theologie: Spiritualität und Ethik . . . . . . . . . . . . 346 4.2.3 Öffentliche Theologie und Zweisprachigkeit: Warum es ohne Zweisprachigkeit nicht geht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 348 4.2.4 Uniformitätszwang Öffentlicher Theologie? . . . . . . . . . . . . . 354 4.3 Auf dem Weg zu einer christologisch konturierten Öffentlichen Theologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 355 4.3.1 Zur Öffentlichen Theologie als Paradigma . . . . . . . . . . . . . . 355 4.3.2 Die Christologie als Herzstück Öffentlicher Theologie . . . . . . . . 358 Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 373 Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 377 Sachregister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 405 Abkürzungen Bibliographische Abkürzungen folgen Siegfried M. Schwertner, IATG³ – Interna- tionales Abkürzungsverzeichnis für Theologie und Grenzgebiete, Berlin ³2014. Außerdem werden folgende Abkürzungen verwendet: BAFU Bundesamt für Umwelt BAG Bundesamt für Gesundheit BGBl. Bundesgesetzblatt DBK Deutsche Bischofskonferenz DER Deutscher Ethikrat DFG Deutsche Forschungsgemeinschaft EKAH Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Außerhumanbereich EKD Evangelische Kirche in Deutschland EthRG Ethikratgesetz FMedG Fortpflanzungsmedizingesetz GG Grundgesetz GTG Bundesgesetz über die Gentechnik im Außerhumanbereich / Gentechnikgesetz KEK Klinisches Ethik-Komitee NGO Non-Governmental Organization / Nichtregierungsorganisation NEK Nationale Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin NER Nationaler Ethikrat RVOV Regierungs- und Verwaltungsorganisationsverordnung SAMW Schweizerische Akademie der medizinischen Wissenschaften SEK Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund StZG Stammzellgesetz UVEK Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation VNEK Verordnung über die nationale Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin ZEK Zentrale Ethische Kommission ZES Zentrale Ethikkommission für Fragen der Stammzellenforschung am Robert-Koch-Institut 1 Einführung 1.1 Problemstellung: John Rawls als »Dreh- und Angelpunkt der ganzen Debatte« 1 »Religion in bioethischen Diskursen ist prima facie rechtsstaatlich bedenklich.« 2 Wer dieser Einschätzung aus juristischer Perspektive nicht zustimmt, nach der Religion bzw. Theologie als wissenschaftlicher Reflexion über Religion im öf- fentlichen Ethikdiskurs 3 zumindest mit großer Skepsis zu begegnen ist, muss fragen: Welche Rolle spielt dann die Theologie im gegenwärtigen öffentlichen Ethikdiskurs? Welche Rolle kann sie spielen? Welche Rolle soll sie spielen – und welche nicht? Diese Fragen sind vor dem Hintergrund einer breiteren Debatte um die Zu- ordnung von Religion 4 und Politik bzw. Öffentlichkeit zu sehen, die in den letz- ten Jahrzehnten insbesondere mit dem Namen John Rawls verbunden war. »Der amerikanische Philosoph John Rawls, der ohne Übertreibung als der Dreh- und 1 Heinrich Bedford-Strohm, Politik und Religion. Öffentliche Theologie, VF 54 (2009), 42–55, 49. 2 Bijan Fateh-Moghadam, Bioethische Diskurse zwischen Recht, Ethik und Religion. Juristische Perspektiven. Zum Einfluss der Religion in bioethischen Beratungsgremien, in: Friedemann Voigt (Hg.), Religion in bioethischen Diskursen. Interdisziplinäre, inter- nationale und interreligiöse Perspektiven, Berlin 2010, 31–64, 59. 3 Fateh-Moghadam nimmt zwar explizit Bezug auf » bio ethische« Diskurse, aus der die Religion herauszuhalten sei. Doch weist Denis Müller zu Recht auf das umfassende bio- ethische Paradigma hin, das sich auf nahezu alle Felder der öffentlichen Ethik ausdehne. Denis Müller, Begleitung und Widerspruch. Die neue Rolle der Theologen und Theologin- nen in den Ethikkommissionen, ZEE 45 (2001), 285–301, 285. 4 Ein Grundproblem im Blick auf Religion stellt die Schwierigkeit dar, diese zu definie- ren. Vicki-Ann Ware, Anthony Ware und Metthew Clarke weisen darauf hin, dass »no uni- versally accepted definition of religion or faith exists.« Vicki-Ann Ware / Anthony Ware / Metthew Clarke, Domains of Faith Impact. How »Faith« Is Perceived to Shape Faith-Based International Development Organisations, Development in Practice 26 (2016), 321–333, 324. Die vorliegende Studie macht sich daher einen konstruktivistischen Ansatz zu eigen und folgt mit Richard Friedli und Owen Frazer einem pragmatischen Religionsverständ- nis: »the areas and practices that should be understood as ›religion‹ are simply the ones described as ›religious‹ by interlocutors and communities.« Owen Frazer / Richard Friedli, Approaching Religion in Conflict Transformation. Concepts, Cases and Practical Implica- tions, Zürich 2015, 9.