Slavistische Beiträge ∙ Band 412 (eBook - Digi20-Retro) Verlag Otto Sagner München ∙ Berlin ∙ Washington D .C. Digitalisiert im Rahmen der Kooperation mit dem DFG- Projekt „Digi20“ der Bayerischen Staatsbibliothek, München. OCR-Bearbeitung und Erstellung des eBooks durch den Verlag Otto Sagner: http://verlag.kubon-sagner.de © bei Verlag Otto Sagner. Eine Verwertung oder Weitergabe der Texte und Abbildungen, insbesondere durch Vervielfältigung, ist ohne vorherige schriftliche Genehmigung des Verlages unzulässig. «Verlag Otto Sagner» ist ein Imprint der Kubon & Sagner GmbH. Malgorzata Świderska Studien zur literaturwissenschaftlichen Imagologie Das literarische Werk F. M. Dostoevskijs aus imagologischer Sicht mit besonderer Berücksichtigung der Darstellung Polens Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access 00055896 S l a v i s t i s c h e b e i t r a g e H e r a u s g e g e b e n v o n P e t e r R e h d e r B e i r a t : Tilman Berger • Walter Breu • Johanna Renate Döring-Smimov Walter Koschmal • Ulrich Schweier • Milos Sedmidubsky • Klaus Steinke BA N D 412 Bayerische Staetsüioliothek München V e r l a g O t t o S a g n e r M ü n c h e n 2001 Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access 00055896 Małgorzata Świderska Studien zur literaturwissenschaftlichen Imagologie Das literarische Werk F. M. Dostoevskijs aus imagologisciier Sicht mit besonderer Berücksichtigung der Darstellung Polens V e r l a g O t t o S a g n e r M ü n c h e n 2001 Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access 0005БѲ96 S l a v i s t i s c h e B e i t r ä g e H e r a u s g e g e b e n v o n P e t e r R e h d e r B e i r a t : Tilman Berger • Walter Breu • Johanna Renate Döring-Smimov Walter Koschmal • Ulrich Schweier • Milos Sedmidubsky • Klaus Steinke B A N D 412 Bayerische Л Steetiüiüliothek I München J V e r l a g O t t o S a g n e r M ü n c h e n 2001 Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access 055896 Małgorzata Świderska Studien zur literaturwissenschaftlichen Imagologie Das literarische Werk F. M. Dostoevskijs aus imagologischer Sicht mit besonderer Berücksichtigung der Darstellung Polens V e r l a g O t t o S a g n e r M ü n c h e n 2001 Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access 00065896 PVA 2 0 0 1 6578 Gedruckt mit freundlicher Unterstützung der Alexander von Humboldt Stiftung und der Vereinigung der Freunde der Universität Tübingen e.V, ( Universitätsbund) ISBN 3-87690-816-7 © Verlag Otto Sagner, München 2001 Abteilung der Firma Kubon & Sagner D-80328 München Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier ,ב 0 Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access 96 ״ V o r w o r t Die vorliegende Arbeit ist während meines Studiums der Slavistik in Tübingen entstanden und wurde am 22. November 2000 von der Neuphilologischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen als Dissertation angenom- men. Frau Susanne Kiderlen, der diese Studie gewidmet ist, sowie meiner Mutter möchte ich besonders herzlich für ihre vielfältige Hilfe und für ihr Mit-Leiden beim Schreiben dieser Arbeit danken. Herrn Prof. Dr. Rolf-Dieter Kluge, meinem Doktorvater am Slavischen Seminar der Universität Tübingen, danke ich sehr herzlich für seine freundliche und verständnisvolle Betreuung, für die Anregungen beim Abfassen und Über- arbeiten dieser Studie sowie für die unermüdliche Geduld bei ihrer Lektüre. Ganz herzlich möchte ich auch den Gutachtern, Frau Prof Dr. Maria Moog- Grünewald und den Herren ProfT. Dr. Dr. l.udolf Müller und Dr. Dietrich Wöm für ihre wichtigen Anregungen danken, die beim Erstellen der Druckfassung bc- sonders wertvoll waren. SchlieUiich danke ich besonders Herrn Michael Rafì'el für die unermüdliche und freundliche Hilfe beim Korrekturlesen aller Fassungen dieser Studie. Für alle Fehler und Unstimmigkeiten, die sich in der vorliegenden Druckfassung noch finden mögen, übernehme ich selbstverständlich die Verantwortung Nicht zuletzt möchte ich allen meinen Bekannten danken, die mir geholfen haben, diese Studie fertig zu schreiben. Herrn Prof Dr. Peter Rehder bin ich für die Aufnahme meiner Dissertation in die renommierte Reihe Slavislische Beiträge sehr dankbar. Der Alexander von Humboldt-Stiftung und der Vereinigung der Freunde det Universität Tübingen e.V. (Universitätsbund) danke ich herzlich für die Gewäh- rtmg eines großzügigen Druckkostenzuschusses, der mir die Drucklegung der Arbeit ermöglicht hat. Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access 00055в96 Z ur Z it ie r w e is e Alle Texte Dostoevskijs werden im Original nach der russischen Ausgabe in 30 Bänden zitiert: F e d o r M ic h a jl o v ič D o s t o e v s k u : Polnoe sobranie sočinenij v tridcali tomach [Sämtliche Werke in dreißig Bänden]. Leningrad 1972-1990. im folgenden werden in Klammem Band- sowie Seitenzahl angeführt. Ihre Übersetzung sowie die Übersetzungen weiterer russischer sowie polni- scher Zitate ins Deutsche werden mit dem Namen des jeweiligen Übersetzers bzw. der jeweiligen Übersetzerin angegeben. Russische Titel erscheinen in Kapitelüberschriften im Original. Im Text und in den Fußnoten werden sie transiiteriert und bei der ersten Nennung mit einer deutschen Übersetzung in Klanimem versehen. Polnische Titel werden ebenfalls bei der ersten Nennung mit einer Übersetzung ins Deutsche in Klammem angc- fuhrt. Wo aus Gründen der Eindeutigkeit fremdsprachige Bezeichnungen oder Be- griffe in der Originalsprache venvendet werden, wird bei der ersten Nennung die deutsche Übersetzung in Klammem angegeben. Soweit nicht anders angegeben. Ф Ф stammen die Übersetzungen von mir. Russische Namen werden im Text und in den Fußnoten in der wissenschaftli- chen Transliteration angeführt. Von diesem Prinzip wird abgewichen, wenn an- dere Namensformen eingebürgert sind oder aus Publikationen zitiert wird, in denen eine andere Schreibweise erscheint. Im Literaturverzeichnis werden mssische (kyrillische) Titel und Namen in wissenschaftlicher Traiisliteration angeführt und nach dem lateinischen Alpha- bei eingeordnet. Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access t■ 55896י I n h a l t V o r w o r t Z u r Z itierw eise E inleftung .................................................................................................................. 11 E r s t e r T e i l Z u T h e o r ie u n d M e t h o d e : D ie P r o b l e m a t ik d e r LITERATURWISSENSCHAFTLICHEN IMAGOLOGIE /. E rg ebn isse der literaturw issenschaftlichen I m agologie UND v e r w a n d t e r ANSÄTZE BEI DER ERFORSCHUNG KULTURELLER UND LITERARISCHER F r e m d h e i t ................................................................. 21 /. Exkurs zur Stereotypenforschung. ............................................................. 43 2. Exkurs: Paul Ricœurs hermeneutische Phänomenologie ................... 72 //. J m agologisch e A nsätze u n d U ntersuchungen als D esiderat der slavistischen L iteraturw issenschaft u n d der D o - sto ev sk u -F o r sc h u n g ................................................................................ 86 UL ״ iMAGEM“ UND ״ IMAGOTHÈME“ - DiE KONZEPTION DER imagologisc ' hen T ex tin terpreta tio n ................................................. 127 Z w e i t e r T e il P o l e n in d e n l it e r a r is c h e n W e r k e n F. M . D o s t o e v s k i is T e x t in t e r p r e t a t io n e n V o r b e m e r k u n g ......................................................................................................... 137 /. E inzelin terpreta tio n en ........................................................................... 140 /. Роман в девяти письмах (!847) [Ein Roman in neun Briefen] ...... 140 Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access 0005БѲ96 2. Ha европейские события в 1854 году (1854) [Auf europäische Ereignisse von 1854] 145 3. Дядюшкин сон (Из мордасовских летописей) (1859) [Onkelchens Traum (Aus den Chroniken der Stadt Mordasov)] 148 4. Записки из Мертвого дома (i860-1862) [Aufzeichnungen aus einem Totenhaus] 158 5. Униженные и оскороленные. Роман в четырех частях с эпилогом (I86I) [Die Erniedrigten und Beleidigten] 204 6 Зимние зачетки о летних впечатлениях (1863) [Winie raufee ichnungen über Sommere indrücke] 226 7. Игрок. Роман (Из записок молодого человека) (1866) [Der Spieler (Aus den Aufeeichnungen eines jungen Menschen)] 244 8. Преступление и наказание. Ро.иан в шести частях с эпиюгом (1866) [ Verbrechen und Strafe] 263 9. Идиот. Роман в четырех частях (1869) [Der Idiot] 284 10. Вечный му.ж. Рассказ (1870) [Der ewige Gatte. Erzählung] 310 / / . Бесы. Ро.ман в трех частях (1871-1872) [Bőse Geister] 318 12. Подросток. Роман [в трех частях] (1875) [Der Jüngling] 345 13. Братья Карамазовы Ро.ман в четырех частях с эпшогом (1879-1880) [Die Brüder Karamazov] 368 //. Z usam m enfassung DER EiNZELiNTERPRETATiONEN 4.^1 L iteratukverzeichnis ינ 7 4 Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access 0 55896 טם Russe Farben 2 Averg-Ätts$׳ Schwarz-weiß /.../: Fell schneeweiß mit schwarzer Maske, die nur die Nase bedecken darf, schwarzen Ohren und schwarzen ״ Stiefelchen“. Im Winter er- scheint die Zeichnung am reinsten (Kälteschwärzung); Jungen reinweiß, Färbung erst nach der 8 . Woche. Kral* len dunkelbraun. Augen wie bei Albi- nos rot leuchtend. Das Hermelinkaninchen Das Hermelüikaninchen mit den ro- ten Augen /.../ ist das Zwergkaninchen, das wir am längsten kennen und das folglich von allen Arten am meisten durchgezüchtet ist. Unter dieser Rasse finden sich die Spitzentiere mit den kürzesten Ohren und den ausgeprägte- sten ,3uUenköpfen“ . /.../ Man nannte sie Hermeline, weil sie aus den reinweißen polnischen Kaninchen entstanden, die man züchtete, um Er- satz für die begehrten, aber raren Her- melinfelle zu schaffen. Die Zucht der Hermeline mit den blauen Augen ge- lang erstmals 1918. [fett und kursiv die Verf.] ( M o n i k a W e g l e r : Zwergkaninchen richtig pflegen und verstehen, München: Gräfe und Unzer 1994, 4. unveränderte Auflage, S. 4 6 Í und S. 12 ) Hermef*n m it blauen Augen. Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access -^396 Ko всему-то подлец-чело век привыкает! /.../ Ну а коли я соврал, - вое- кликнул он [Раскольников] вдруг невольно, - коли действительно не noćjten человек, весь вообще, весь род то есть человеческий, то значит, что остальное всё - предрассудки, одни только сп»хи напущенные, и нет никаких преград, и так тому и следует бьггь!.. [kursiv Dostoevskij] F.М. D osT O E V Siai; Prestuplenie i nakazanie, Bd. 6 , S. 25. [ Der Mensch ist ein Lump und gewöhnt sich eben an alles'. /.../ Und wenn es nicht wahr ist?' rief er [Raskol'nikov] plötzlich unwillkürlich aus, 'wenn der Mensch wirklich kein Lump ist, im Ganzen, also, das Menschengeschlecht über- haupt, dann heißt das. daß alles andere nichts als Vorurteile sind, nur Kinder- schreck, und daß es keine Schranken gibt und daß das so sein muß! ...' [kursiv Dostoevskij]; Übersetzung von Swetlana Geier, in: F j o d o r D o s t o j e w s k u [Fedor Michajiovič Dostoevskij]; Verbrechen und Strafe. Zürich; Ammann 1996, S. 39] O, ради бога, не считайте, что любить родину - значит ругать иностран- цев и что я так именно думаю. Совсем я так не думаю и не намерен ду- мать, и даже напротив... Жаль только, что объясниться-то яснее .мне теперь некогда. F.M. D o s t o e v s k ij ; Zimnie zametki о letnich vpečatlenijach, Bd. 5, S. 51 [ Winteraufzeichnungen über Sommereindrücke] [Doch - Gott behüte! - denken Sie nun nicht, daß sein Vaterland lieben die Ausländer schelten heiße, und daß ich es so verstehe. Nein, so denke ich kei- ncswegs, sogar im Gegenteil ... Es ist nur schade, daß ich jetzt keine Zeit habe, mich deutlicher zu erklären; Übersetzung von E.K. Rahsin, in: F.M. IX)ST0JEWSK1 [Fedor Michajiovič Dostoevskij]: Sämtliche Werke in zehn Bän- den, Bd. 6 , Aufzeichnungen aus einem Totenhaus und drei Erzählungen. München; Piper 1958 [Winteraufzeichnungen über Sommereindrücke]: S. 745] Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access ‘0055896 E in l e it u n g Die vorliegende Studie bildet die gekürzte und leicht veränderte Fassung meiner Tübinger Dissertation^, die wiederum aus einer Magisterarbeit über die Darstellung Polens in den Romanen Dostoevskijs^ hervorgegangen ist. Ihr Thema Studien zur literaturwissenschafilichen Imagologie. Das Hieran- sehe Werk F. M. Dostoevskijs aus imagologischer Sicht mit besonderer Berück- sichtigung der Darstellung Polens^ ist aus meinem doppelten Interesse an dem Werk Fedor Michajlovič Dostoevskijs und an der Problematik der Fremdheit in der Literatur entstanden. Die Dissertation hatte sich ursprünglich zum Ziel gesetzt, alle Werke Dostoevskijs, einschließlich der Publizistik, kritisch zu untersuchen, in denen Polen, d.h. polnische Figuren und historische Personen oder die polnische Ge- schichte und Kultur Vorkommen. Dieses ursprüngliche Erkenntnisziel wäre um so wichtiger gewesen, als es in der bisherigen Dostoevskij-Forschung keine sy- stematische Untersuchung zur Darstellung der kulturellen Fremdheit in seinen literarischen und publizistischen Werken gibt.* Das geplante Vorhaben mußte jedoch wegen des allzu großen Umfangs dieses Textkorpus auf die lnteфretation literarischer Werke Dostoevskijs beschränkt werden. Als Desiderat der Forschung bleibt damit weiterhin die Untersuchung der Bezüge zwischen den literarischen und publizistischen Werken Dostoevskijs bestehen. Zugleich mußte jedoch die Untersuchung auf eine terminologisch-methodi- sehe Auseinandersetzung mit der ״ Fremdheits-“ bzw. ״ Alteritätsforschung“ aus- geweitet werden, denn die bisherigen uneinheitlichen Methoden und diffusen Terminologien erlaubten keine genügend differenzierende Analyse. Bereits beini Abfassen der oben erwähnten Magisterarbeit, die als ein erster Versuch verstanden werden kann, die Darstellung Polens in Dostoevskijs R 0 - manen aus der Sicht der literaturwissenschafilichen bzw. komparatistischen Imagologie® zu erforschen, hatte sich der darin angewandte tlieoretische Ansatz Hugo Dyserincks als ungeeignet für die konkrete Textinteфretatioп erwiesen.’ Die Schwierigkeiten, einen literarischen Text imagologisch zu inteфretieren. ‘ Vgl. ŚWIDERSKA 2000. * Vgl Ś w i d e r s k a 1993-1994. * Der B cÿnfÎ .Jiompora! 1 st !sehe Imagologie“, der von Hugo Dyserinck (vgl dazu unten. S. 14 und S. 2 Iff.) eingefuhn wurde, ist in der folgenden Studie durch Ji/craiurHiwenwIiuJilidic Imagologie“ ersetzt worden, weil der Terminus ,Jcimparatistixch" zu breit angelegt ist. * Vgl. das Kapitel zur slavistischen Fremdheitsforschung sowie zur liostoevskii-Forschung. unten, S 86ff. * Der глѵеііе Teil der Studie umfaßt dreizehn imagologische Interjnetationen literarischer W erke Dostoevskijs, darunter aller großen Romane. Siehe unten, S. 140ff. ‘ Vgl. Fn. 1 6 ,S. 14. ’ Vgl. dazu unten, S. 24fT. (Kap. 1). Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access 12 ließen sich auch auf einen allzu ideologiekritischen Charakter seines Aachener Konzeptes zurück fuhren. ° Die immer noch anhaltende theoretische Methodendiskussion in der deutsch- sprachigen Literaturwissenschaft® und die (nicht nur postmoderne) Beliebigkeit der Begriffsbestimmungen (bzw. die Gleichgültigkeit gegenüber der Notwen- digkeit einer exakten Begriffsbestimmung) erschwerten zusätzlich die Suche nach einem geeigneten lnteфretationsverfahren. Dieser unbefriedigende Forschungsstand mag auch dazu beigetragen haben, daß die Imagologie, obwohl sie als Teilgebiet literaturwissenschaftlicher Fremdheitsforschung eingebürgert ist, immer noch von manchen Forschern argwöhnisch betrachtet wird.^° Im ersten Teil meiner Studie mußte deswegen nach einer geeigneten Termi- nologie und Methode gesucht werden. In diesem Zusammenhang werden so- wohl die Imagologie und ihr verwandte Ansätze als auch induktiv vorgehende, empirisch-deskriptive Arbeiten zum Phänomen der nation£Üen bzw. ethnischen Fremdheit in slavischen Literaturen sowie in Dostoevskijs Werken bespro- chen.^^ Nach Durchsicht der einschlägigen Forschungsliteratur hat sich gezeigt, daß die darin vorkommenden Begriffe wie ״nationales Bild“, ״nationales Image“, ״ Imagotyp“, ״ Klischee“, ״ Stereotyp“, ״ Vorurteil“, ״Thema“, ״ Motiv“ oder ״ Mythos“ verschieden, oft widersprüchlich definiert, wenn sie überhaupt defi- niert werden; derselbe Begriff wird von den Autoren in unterschiedlichen Be- deutungen eingesetzt und verstanden. In methodischer Hinsicht ließen sich ebenfalls mehrere Unstimmigkeiten und L.eerstellen beobachten. Der Großteil der Forscher und Forscherinnen begnügt sich damit, das Vorhandensein unterschiedlich bezeichneter ״ Fremdelemente“ in einem literarischen Text festzustellen, ohne nach ihrer Funktion bzw. Bedeutung 0005БѲ96 * Vgl dazu z.B den Beitrag von J a n u s z S ła w tń sk i, in; S lo w n ik T erm inów lp te ra c k ic h [Wörterbuch Íiteranscher Termini]^ S. 581 zum Begriff {! achwort). Nach Janusz Sławiński haben hteraturwissenschafiliche bzw. geisteswissenschafthche Termini meistens eine schwankende Bedeutung, die vom Kontext der Äußerung abhängig 1 st, derselbe Terminus hat oft verschiedene Bedeutungen, oder verschiedene aneineander grenzende l'erm ini haben die gleiche Bedeutung. Theoretische Termini (tcrmm teoretyczny) sowie Na- men- und Fachbezeichnungen. d.h Nomenklaturen (termm-nazwa)^ werden oft nicht vonein- ander unterschieden. * Vgl. ZiMA 1992, Vorwort, S. VlilfT und passim JObP L ebrssen äußert sich folgendermaßen zur Kntik an der komparatistischen Imagolo• gie; ״ ït is usually asked, not to establish the best way o f pursuing the topic o f national identity and national culture, but to margmalize that pursuit in the institutional field o f literary studies proper, i.e. that institution which is based on the assumption o f an essential difference between literature and the rest o f human culture. Moreover, such an institutional division o f labour seems tailored to serve the needs o f those who, like *literary scholars', are in continual need o f territorial self-defmition and o f asserting the unique specificity and scholarly justifi* cation o f their pursuit This jealous concern for operational and institutional autarky is a sign o f lacking self-confidence, and rather than creating the preconditions necessary for the actual study o f literature. lures critics into counteфгoduclive introspection and claustrophiliac theo- nzing־‘ (LHERSSEN 1991a, S 133f). Vgl zur Gliederung der Studie unten, S 16. Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access 10055896 13 innerhalb dieses Textes und nach dem jeweiligen kulturellen Kontext, dem diese Elemente und der einschlägige Text entstammen, zu fragen, ln den meisten theoretischen Beiträgen vermißt man darüber hinaus Hinweise auf die praktische Anwendung der von ihnen vertretenen Theorie der Texlinteфretation. Gleich- zeitig kommen die meisten empirisch-deskriptiven Studien ohne explizit formu- lierte theoretisch-methodische Grundlagen aus. Weder in den meisten nichtslavistischen, gezielt auf die Untersuchung der kulturellen bzw. literarischen Fremdheit ausgerichteten Forschungen, noch in der slavistischen Forschung, die Dostoevskij-Forschung inbegriffen, konnten deswegen methodische Anregungen und eine brauchbare Terminologie für die folgende Studie gefunden werden. ln meiner Dissertation ist in Anbetracht der Defizite der bisherigen Forschung ein eigenes Konzept der imagologischen Textinleфгctation erarbeitet worden,’^ das auf der modifizierten Methode der neueren fi־anzösischen Imagologie, insbe- « О sondere auf den Beiträgen von Jean-Marc Moura, aufbaut. Meine Studie stützt sich darüber hinaus, wie die Arbeiten von Moura selbst, auf die Hermeneutik Paul Ricœurs, besonders auf dessen Theorie der produkti- ven, kreativen bzw. reproduktiven Imagination (als l'imagination productrice / reproductrice) und auf seine Texttheorie, und untersucht die kulturell oder sozial vermittelten Schöpfungen der Imeigination (als das soziale Imaginäre - Г imaginaire social), die als ״ Bilder des Fremden“ (Images) in einem literari- sehen Text auftreten und nach Paul Ricœurs Ansicht einen utopischen oder einen ideologischen Charakter aufvveisen k ö n n e n .D ie s e Fremdbilder, die in literarischen Werken hauptsächlich als fremde Figuren Vorkommen, sind aber nicht als direkte Kopien bzw׳. als Widerspiegelungen der Wirklichkeit zu be- trachten, sondern selbstreferenziell. In einer integrierenden, identitätsstärkenden Funktioii (als Ideologie) dienen sie als kultureller, positiver oder negativer Kontrast zu einer bestimmten ethnischen Gruppe. Nation oder einer Kultur und stellen ihre Identität bzw. Identitäten in Frage. Als Utopie U ־eten sie in einer subversiven Funktion auf Diese beiden Funktionen sind aber ambivalent, sie können sich überlappen, und weisen zugleich eine ideologische und utopische Komponente au f Der Dialektik zwischen der ideologischen und utopischen Einbildungskraft einer bestimmten Kultur entspricht die Dialektik zwischeii zwei komplementären Typen der ״ Figuren des Fremden“, welche derjenigen zwischen den Bedeutungen der lateinischen Pronomina alter und alius äquiva- lent ist.^^ “ Vgl dazu das 111. K a p . S. I27ff־ Vgl dazu unten. Kap. 1 und 111., S. 62ff. und S 127fT. Vgl dazu mehr unten. S. 62IT (siehe auch den Exkurs zu Paul Ricœur, S 7211' ) Aller ist dabei der/die ..Andere" in einem Paar, dessen zwei Elemente m emer unmittelba- ren Beziehung zuemander stehen und sich gegenseitig bestimmen, ihre eigene Identität sowie die Identität einer Gruppe stärken Aller ist somit in die Weltanschauung und in die Ideologie einer Gruppe integriert worden. Ahus läßt sich ebenfalls als ein ,Лnderer■■ bezeichnen, 1 st aber zugleich ein ganz ״ Fremder", untnrstimmt und fern, befindet sich außerhalb der Welt einer bestimmten Gruppe oder em er Kultur. Ahus weist einen utopischen Charakter auf, stellt ihre Gruppenidentität und Ideologie a u f ,subversive" Weise in Frage Die .^/^т-Fוguren ha- ben oft stereotypen Charakter, indem die .-}/;!/.v-Figuren utopisch-symbolischen b/\4. Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access 000ББ8Э6 14 Wegen der terminologischen Unklarheiten der bisherigen imagologischen Ar- beiten, auch derjenigen Mouras, speziell bezogen auf seinen Begriff des Image, ist jedoch in dieser Studie eine eigene Terminologie eingefuhrt worden. Anstelle der diffusen und vieldeutigen oben genannten Begriffe wurde als Oberbegriff /magoihème eingeführt, das in einem bestimmten Text ideologischen und utopi- sehen Charakter aufweisen kann. Jedes fremde Imagoihème, das in literarischen Werken oder in einem bestimmten literarischen Werk Dostoevskijs vorkommt, z.B. das Imagoihème des ״ Westens“, ״ Westeuropas“, ״ Polens“, ״ Deutschlands“ usw., bzw. jedes eigene Imagothème, z.B. ״ Rußlands“, setzt sich aus Einzelelementen, den sogenannten Imagemen zusammen. Zu den ״ polnischen“ Imagemen in Dostoevskijs Werken werden alle als ״polnisch“ markierten Elemente wie z.B. die darin erwähnten und handelnden Figuren gezählt. Fiktiven ebenso wie historisch belegten, auch als soziale oder literarische nationale Stereotypen, sowie alle anderen Erwähnungen der polnischen Kultur und Geschichte. Alle polnischen Imageme werden dabei unter dem Aspekt ihrer Funktion innerhalb der fiktionalen Welt der Werke Dostoevskijs betrachtet, obwohl gleichzeitig ihr kultureller Kontext als Schöpfung der reproduktiven bzw. produktiven Einbildungskraft berücksichtigt wird. Die Imagologie wird somit in dieser Studie als ein hermeneutisches Іпіефге- tationsverfahren definiert, mit dessen Hilfe die ״strukturelle Tiefensemantik“ (Paul Ricoeur) der kulturellen bzw. nationalen und ethnischen Fremdheit inner- halb der fiktionalen Welt eines literarischen Textes erklärt und verstanden wer- den soll.^® Dank dieser lnteфretationsmethode ist es hier gelungen, sowohl inhaltliche als auch formale Aspekte der polnischen Imageme, ihre Bedeutung auf dem Hintergrund anderer fremder Elemente innerhalb der fiktionalen Welt der litera- rischen Werke Dostoevskijs (als Imagothèmes) zu erschließen. Anhand der Textinteфгetationen konnten sodann Bezüge zwischen polni- sehen und anderen fremden Elementen (in der Terminologie dieser Studie der polnischen und der anderen fremden Imageme) und den aus ihnen bestehenden mylhischen Charakter aufweisen. Moura bemerkt auch, dass der kulturelle Kontext, dem sie entstammen, berücksichtigt werden muß, denn nur so lasse sich die von Ricocur bemerkte Aporie zwischen der philosophischen Theorie der Einbildungskraft und ihren soziologischen Vereinfachungen vermeiden. Vgl M o u r a 1992a, S. 271-287, hier S. 277fT. Siehe auch M oiiR A 1992b. ** Vgl. Kap 1. zu Geschichte, BegrifTsbestimmungen, Terminologien und Methoden der Imagologie sowie zu Paul Ricœur, unten S. 2lfT und S. 72fT. HUGO D y s e r in c k hat den BegrifT ״ Imagologie“ von O l iv e r B r a c h f e l d entlehnt, durch das Prädikat ״ komparatistisch“ ergänzt und in der deutschsprachigen komparatistischen Forschung seit dem akademischen Jahr 1967/68 verwendet. Vgl. z.B. D y s e r in c k 1982, S. 40. Anm. 23. D y s e r in c k bemerkt dazu: J ..J der B egriff [der Imagologie wurde] von mir aus der Terminologie der französischen Ethnopsychologie übernommen / ../ (die /.../ keineswegs mit der alten Völkerpsychologie' gleichzusetzen ist)“, ebd. Siehe auch B r a c h f e l d 1962, S. 3 4 If B r a c h f e l d schlägt darin vor, zur Bezeichnung der Images (memory images, menial images) den BegrifT .S V c׳m 07 J (Lippmann) durch Imagotyp zu ersetzen: ״ lorsquo'un peuple «pense» à un autre; /.../ de telles images sont extrêmement fuyantes et changeantes, bien que «stéréotypées»: il s'agit de purs «clichés» (S. 342). Vgl. auch F is c h e r 1979b, bes. S. 34fT oder S ie b e n m a n n 1992. Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access Э55896 15 bzw. ihnen übergeordneten fremden Jmagoihèmes im Kontext der eigenen^ rus- sischen fiktionalen Welt des jeweiligen Werkes erforscht werden, die entweder einen ideologischen oder einen utopischen Charakter aufweisen können. Dabei war es möglich festzustellen, welche Rolle polnische und aiidere ,.Fremdelemente'‘ in der ״russischen־' Welt der literarischen Werke Dostoevskijs spielen. Es konnte eine enge dialektische Beziehung zwischen inhaltlichen und for- malen Aspekten der literarischen Werke Dostoevskijs festgestellt werden, besonders im Hinblick auf deren Figurenkonstellation, d.h. auf die Aufteilung in sogenannte Haupt-, Neben- bzw. Randfiguren,^’ die von der ethnischen oder von der nationalen Zugehörigkeit dieser Figuren abhängig ist bzw. sogar von ihr determiniert w ird. I3ie ethnische bzw׳. nationale Zugehörigkeit einer fremden Figur bzw. die Verfremdung einer russischen Figur mit ״nichtrussischen״' Elementen bestimmt zum einen den ideellen bzw. weltanschaulichen Kontext, in dem eine Figur auf- tritt, ist mit ihm untrennbar verbunden, zum anderen bestimmt sie aber auch, welchen Rang eine bestimmte Figur in der Figurenkonstellation und in der Figu- renhierarchie einnimmt. Das Phänomen der Fremdheit determiniert somit mehrere Ebenen der fiktionalen Welt eines Textes von Dostoevskij. Dabei konnten einige, sich relativ deutlich abzeichnende imagothematische Strukturen in den literarischen Werken dieses Autors gefunden werden. Obwohl es in dieser Studie nicht möglich war, alle immer noch offenen me- thodologischen Fragen zu klären,^® so bietet sie ungeachtet dessen ein brauchba- res imagologisches Konzept zur systematischen Erforschung der ״ Fremdheit“ in einem literarischen Text. Dadurch wurde es möglich, die Kluft zwischen imagologischer ІЪеогіе und Praxis zu überwinden.^® Ungeachtet dessen, daß diese Studie von den sich als postmodern bezeich- nenden Forschem eine ״logozentrische" Arbeit genannt werden könnie,^‘ ^ bildet sie einen Beitrag zur aktuellen und relevanten ״ Fremdheitsforschung" sowie zur größeren foleranz in der Betrachtung der bis dahin häufig (bzw. immer noch) Vgl. zur Definition einer htcranschen Figur in SlX)WN!K te rm in ó w lite r a c k jc h . S 412Г {fHisuti: hicrucka hieransche Figur bzw. Gestalt). Das subjektive, partikulare Interesse der Verfasserin an der Fragestellung der Arbeit ־ der Darstellung Polens im literarischen Werk Dostoevskijs - ist für die methodologischen Grundlagen der Untersuchung ausschlaggebend gewesen Vgl. dazu z.B Z1N!.\ Ï992. S. !X. Als Beleg łiir die Brauchbarkeit des imagologischen Konzepts dieser Studie siehe den Auf- satz von Roi>'-DihTHR KLUGE über die Darstellung Polens m der Lyrik von Nikolaus Lenau !m Lehen und Werk von Nikolaus l.enau vor dem Hintergrund der scli^ähischen !*olenhegetsterun^ (hier zitiert nach dem freundlich überlassenen Manuskript), der 2002 in der Festschrift für Gerhard Giesemann (hg. v. ULRIKE JEK1;TS('H) im Druck erscheinen wird) Vgl dazu unten, S. 13I f Vgl dazu eine andere Sicht auf Dostoevskij, die m seinen Werken ein ״ posimodcrnos Chaos“ zu finden glaubt, bei JONES 1990 Siehe auch die russische Über.setzung DZOLNS 1998. Siehe dazu unten, S. 99. D a v i d C a r r schreibt sogar über den ״ Haß auf Logos * der (französischen) Poststrukturalisten, den er, Kant folgend, ״ Misologie * nennt; ״ ich denke. wird häufig nicht erkannt, daß der französische Poststrukturalismus in seiner unerbittlichen Beschäftigung mit Diskursen in Wirklichkeit gegen sic, als Quelle repressiver Macht, eine sehr negative Haltung einnimmt“ ( C a r r 1997, S. 178). Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access 00055896 16 als ״ unversöhnlich“ geltenden kulturellen Gegensätze zwischen dem ״Fremden“ und ״Eigenen“.^^ Zugleich ist sie aber nv:ch die erste systematische Monogra- phie zum Phänomen der Fremdheit in der Slavistik und in der Dostoevskij-For- schung und soll dazu beitragen, sie zu entideologisieren bzw. zu entmythologisieren. Die Arbeit hat zwei Teile. Der ERSTE T eil ( Z u T h e o r i e u n d M e t h o d e : D ie P r o b l e m a t i k d e r l i t e - RAT(/RW1ssENS('HA1-TL1('HENlMA(;0L(Xi1E) umfaßt drei Kapitel: Im ersten Kapitel ( E r <; e h n i s s e d e r l i t e r a t u r w i s s e n s c h a i - t l i c h e n I m a - C O U XilE UND v e r w a n d t e r ANSÂ17J< HEI DER EREORSCHUNG KULTIJREU.ER UND UTERARiscHER F r e m d h e it ) liegt der Schw׳eфunkt auf der Theorie (Terminologie und Methode) der litcraturwissenschaftlichen Imagologie und verwandter An- Sätze zur Erforschung kultureller und literarischer Fremdheit sowie auf der Kri- tik mangelnder n'auglichkeit tur konkrete Textinteфretationen. Die Ursache fur die spärliche Präsenz der Slavistik in diesem Kapitel (Dostoevskijs Werke wer- den beispielsweise nur ein einziges Mal erwähnt) ist möglicherweise darin zu suchen, daß die Imagologie bzw. die Fremdheitsforschung im außerslavischen Kulturraum entstanden ist und in der Zeit der sozialistischen Herrschaftsideolo- gie in den slavischen Ländern nicht betrieben werden konnte. ln zwei ergänzenden Exkursen werden die Slereotypenforschung und die An- Sätze aus der hermeneutischen Phänomenologie Paul Ricœurs knapp erörtert, die fur diese Studie relevant sind. Im zweiten Kapitel ( i K i A d o ix x n s c H E A n s ä t z e u n d U n t e r s u c h u n g e n a l s D e s i d e r a t d e r s u i ' i s t i s c h e n ü t e r a t u r w i s s e n s í ' h a i t u n d D o s t o e k s k i j - F o r s c h u n g ) werden die slavistische und insbesondere die Dostoevskij-For- schung zur Fremdheitsproblematik besprochen, die zumeist induktiv oder de- skriptiv-empirisch angelegt sind. Im d r itte n K a p ite l ( ..I m a g e m u n d і м а с ш н е м е " - D u■: K o n z e f t i o n d e r iMAGOixx',ISCHEN T e x t in t e r i ’REJ a t i o n ) wird anhand einer kritischen Diskussion der zuvor besprochenen unterschiedlichen Forschungsansätze das terminolo* gisch-methodische Konzept der Studie entwickelt. Im ZWEITEN l'EiL der Studie ( P o l e n in l i t e r a r i s c h e n W e r k e n F. M. D 0 .S 10 E 1 .SKUS. Tlx!INTERPRETATIONEN) werden auf der Grundlage der im ersten Teil entwickelten Methode die literarischen Werke Dostoevskijs inteфretiert, in denen Polen- bzw. Fremdheitsproblematik von Belang ist. Das Interesse an der Problematik des ״ Fremden“ bzw des ,Tenderen", das oft im Zusammenhang mit der sogenannten ״ Krise der Repräsentation“ in den Geisteswissenschaften genannt wird, ermöglicht die Problematisierung der komplementären BegrifTspaare ״ das Fremde“/״ das Eigene ‘ bzw ״ das Andere“/״das Selbe“, deren Bedeutung und Referenz als ambivalent und als vom jeweiligen kulturellen Kontext abhängig betrachtet werden Vgl dazu R itter /G rùnder 1992, Sp. 846-853 Siehe ferner W aldi : nfe 1. s 1997-1999 oder W aldenfels /D armann 1998 Malgorzata widerska - 9783954790302 Downloaded from PubFactory at 01/10/2019 02:25:16AM via free access